Rund 5000 Tonnen: So viel Beton hat das Entsorgungsunternehmen Blasius Schuster allein nach dem Abriss eines Parkhauses im Westen von Frankfurt abtransportiert. „Wir sieben das, brechen es und machen daraus wieder Zuschlagstoff für neuen Beton“, sagt David Renneisen, der bei der Unternehmensgruppe mit 200 Mitarbeitern das Geschäft mit Baustoffen leitet. Auch Schottersteine aus alten Gleisanlagen ließen sich wiederverwerten – zu Splitt gemahlen seien sie etwa für Beton für den Bau des Hafenpark-Quartiers nahe der Europäischen Zentralbank (EZB) genutzt worden.
Material von den vielen Baustellen im Rhein-Main-Gebiet abzuholen und für neue Projekte in der Nähe wiederaufzubereiten – das ist für Daniel Imhäuser, den Geschäftsführer der Blasius Schuster GmbH & Co KG mit Hauptsitz in Frankfurt, ein Paradebeispiel dafür, wie Kreislaufwirtschaft funktionieren sollte. „In Ballungsräumen macht es extrem viel Sinn, das Recycling weiter voranzutreiben“, sagt der Sechsundvierzigjährige. Damit ließen sich Transporte von Primärrohstoffen aus Kiesgruben und Steinbrüchen zumindest reduzieren.
Aufwand und Kosten für diese Transporte werden intensiv diskutiert, seit das Niedrigwasser im Rhein die Binnenschifffahrt weitgehend lahmgelegt hat. Weil Sand, Kies und andere Steine für die Bauwirtschaft so schwer sind, sind die Wasserstraßen für die Branche besonders wichtig. Gleichzeitig verdeutlicht der trockene Sommer die Folgen des menschengemachten Klimawandels – zu dem die Produktion von Baustoffen einen nicht unerheblichen Beitrag leistet: Auf die Produktion von Zement, dem wichtigsten Bestandteil von Beton, entfielen in Deutschland zuletzt etwa zehn Prozent aller Industrieemissionen. Gleichzeitig müssen für den Abbau von Sand, Kies und anderen Steinen Wälder weichen, die sonst als Kohlenstoffsenken dienen könnten.
Ohne Steinbrüche geht es nicht
Auch Blasius Schuster nutzt Baustoffe aus Kies- und Sandgruben und baut im Westerwald, wo das Unternehmen einst gegründet wurde, Trachyt ab – ein Vulkangestein. „Das Angebot an Recycling-Material und auch an Material, das noch zu recyceln wäre, reicht definitiv nicht, um Primärbaustoffe vollständig zu ersetzen“, sagt Imhäuser. Aber die Möglichkeiten, die es gebe, würden noch längst nicht ausgeschöpft.

Dabei schreibt der Verband der Deutschen Bauindustrie auf seiner Website: „90 Prozent der gesamten mineralischen Bau- und Abbruchabfälle werden schon jetzt umweltverträglich verwertet.“ Das zeige der im Zweijahresrhythmus veröffentlichte Monitoring-Bericht der Initiative Kreislaufwirtschaft Bau.
Ein Blick in dessen letzte Ausgabe zeigt allerdings: Die hohe Wiederverwertungsquote geht nicht zuletzt darauf zurück, dass von den rund 210 Millionen Tonnen an mineralischen Bauabfällen, die 2022 anfielen, fast 60 Prozent aus Bodenaushub und Steinen bestand. Dieses Material wird zu einem erheblichen Teil benutzt, um Gruben etwa aus ausgebeuteten Tagebauen wieder zu füllen. Für eine echte Wiederaufbereitung bieten sich dagegen Bauschutt oder Straßenaufbruch an. Hier sind die Recyclingquoten mit 80 und 93 Prozent zwar hoch, nach Ansicht Imhäusers aber noch ausbaufähig – es handele sich um „hochwertiges Material“, dessen Potential nicht hinreichend ausgeschöpft werde.
Alte Ziegel für neue Dächer
Was sich außer Zuschlagstoffen für frischen Beton aus Bauschutt noch machen lässt, führte Blasius Schuster kürzlich auf dem Gelände der Tochtergesellschaft Rohstoff Pool in der Nähe des Frankfurter Osthafens vor. Dort entsteht aus alten Ziegeln beispielsweise Granulat, das gemischt mit anderen Mineralien als Grundlage für die Begrünung von Dächern eingesetzt werden kann. Die fein zerkleinerten Ziegelstückchen könnten noch mehr Wasser speichern als Lavagranulat, das für herkömmliche Substrate verwendet werde, sagte Bereichsleiter Andreas Schliebs.
Um das Sieben und Zerkleinern von Ziegeln und anderen Baustoffen zu erleichtern, wurde auf dem Gelände von Rohstoff Pool zu Jahresbeginn eine neue Anlage installiert – rund 650.000 Euro kostete das System aus Containern, Trichtern, Sieben, Förderbändern und Materialrutschen, das ein wenig an ein überdimensioniertes Klettergerüst erinnert.
Auch Dachsubstrate liefert Blasius Schuster unter anderem für das Hafenpark-Quartier, das nur dreieinhalb Kilometer entfernt ist. So kurz sind die Wege zu den Kunden natürlich nicht immer. Blasius Schuster betreibt elf Standorte, das Netzwerk reicht von Duisburg im Nordwesten bis Stuttgart im Süden und Aschaffenburg im Osten – aber trotzdem legt das recycelte Material oft viele Kilometer zurück.
Das Niedrigwasser trifft deshalb auch Blasius Schuster. „Normalerweise lassen wir rund 800.000 Tonnen im Jahr mit dem Schiff transportieren durch fünf Bundesländer“, sagt Imhäuser. Derzeit lasse er nur „alle paar Tage“ ein Schiff beladen, weil die Frachter angesichts der gesunkenen Pegelstände deutlich weniger transportieren könnten als sonst, seien die Kosten enorm gestiegen. Die Güterzüge sind weitgehend ausgebucht, wie andere Unternehmen setzt Blasius Schuster deshalb mehr Lastwagen ein als sonst.
Die Gruppe verfügt über eine Flotte von 80 Lastwagen, Imhäuser zufolge laufen derzeit Tests mit Elektrofahrzeugen – wegen des Gewichts der Baustoffe könnten diese allerdings nur auf kurzen Strecken von bis zu 15 Kilometern eingesetzt werden. „Über die Entfernung können sie dann einen halben Tag lang pendeln, ohne laden zu müssen.“ Einen ersten Versuch, den Verbrauch von Diesel zu reduzieren durch den Einsatz von Lastwagen mit Flüssiggas (LNG), habe man mittlerweile wegen des starken Anstiegs des LNG-Preises wieder eingestellt.
„Je weiter die Kreislaufwirtschaft sich entwickelt, desto wichtiger sind kurze Wege“, fasst Imhäuser zusammen. Auch deshalb habe sich Blasius Schuster im „Circle Offenbach“ mit rund 90 anderen Unternehmen zusammengeschlossen, die das „zirkuläre Bauen“ voranbringen wollen. „Ganz wesentlich ist, frühzeitig zu erfahren, wo welches Material in welcher Menge und zu welchem Zeitpunkt anfällt“, sagt der Geschäftsführer von Blasius Schuster. Wenn sich Unternehmen frühzeitig über die Stoffströme austauschten, davon sei er überzeugt, könnte viel mehr Material einer hochwertigen Wiederverwendung in geringer Entfernung zugeführt werden. „Damit würden auch die Kosten sinken.“
