
Es hat geregnet in den vergangenen Tagen. Nicht so viel, wie die Unwetter jetzt vermuten lassen, aber auch wenig zählt viel für die verdorrten Wiesen und Felder und die darbenden Flüsse. Die Temperaturen sind gesunken. Dass die Abkühlung auch die erreicht, die das Wetter-Thema in den vergangenen Tagen unbotmäßig ausgeschlachtet haben, kann man sich nur wünschen. Die Forderung des Bundesumweltministers und anderer SPD-Politiker, den Hitzeschutz ins Grundgesetz aufzunehmen: Das wirkt wie der Versuch, politisch Boden unter die Füße zu bekommen mit Umständen, die gerade sehr viele Menschen bewegen. Der abermalige Koalitionsstreit, der darüber auszubrechen beginnt, wird in Berlin ausgetragen. Unterdessen muss gehandelt werden, in den Ländern, auch in Hessen. Wie, das zeigt ein Blick in die Statistik.
Allein in Hessen sind nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts bis Anfang August etwa 1710 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben, mehr als in jedem Gesamtjahr seit 2016. Hitzewellen kosten Leben, und in überwiegender Zahl kosten sie die Leben derer, die schutzlos sind.
Heiß ist es jedem einmal. Doch unter extremen Temperaturen leiden manche mehr als andere, wegen ihres Jobs, wegen ihrer Wohnsituation. Wie unter einem Brennglas haben die vergangenen Wochen gezeigt, wie schnell scheinbar vorübergehende Phänomene sich verstetigen können. Nächstes Jahr mag das Wetter anders sein, doch der nächste Hitzesommer wird kommen. Seine Probleme werden die sein, die es heute sind. Politik und Bürger werden mit den Gegebenheiten umgehen müssen: ob es um Bauprojekte geht, die den Anforderungen etwa an Verschattungsmöglichkeiten Rechnung tragen müssen, oder um simples Wassersparen in privaten Haushalten.
Am wichtigsten ist es, Kinder in den Blick zu nehmen sowie Kranke und alte Menschen, die in Gemeinschaftseinrichtungen leben. Kitas und Schulen brauchen ein Hitzemanagement. Für Kliniken und Heime wird es unabdingbar sein. Nach einer Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft aus dem Jahr 2022 waren nur 38 Prozent der Krankenzimmer in den deutschen Kliniken klimatisiert. Zu Pflegeheimen ist den jüngsten verfügbaren Angaben zu entnehmen, dass keine 15 Prozent der Neubauten Klimaanlagen hätten; hoffentlich sind sie wenigstens so geplant worden, dass sie nicht maximal aufheizen.
Es wird jetzt nicht sofort jedes Heim und jede Klinik überall nachgerüstet werden können, nicht zuletzt, weil Klimaanlagen teuer sind. Intensivstationen, Palliativstationen und Zimmer besonders vulnerabler Bewohner müssen Vorrang haben. Betreiber und Träger von Krankenhäusern und Heimen auf eine Klimaplanung und auf Hitzeschutz
zu verpflichten und sie bei der Umsetzung fachlich zu unterstützen: Diese Aufgabe hat die Landesregierung jetzt.
