Harald Rohr hat jüngst ganz schön viel Aufmerksamkeit bekommen. Er gilt als der Mann hinter dem neuen Terminal 3 am Frankfurter Flughafen, hat den Bau des Abfertigungsgebäudes als Technischer Geschäftsführer der Ausbaugesellschaft mitverantwortet. Seit einigen Wochen ist er nun im Ruhestand, hat also seine berufliche Laufbahn mit einem ordentlichen Ausrufezeichen beendet. Damit schloss sich ein Kreis, denn Flughäfen beschäftigten ihn fast sein ganzes berufliches Leben.
Fürs Bauen hat er sich schon immer interessiert. Nach dem Zivildienst lernte der geborene Frankfurter, der in Hofheim aufgewachsen ist, zunächst das Tischlerhandwerk. Er hatte „erstmal selbst etwas können“ wollen, wie er sagt. Fast wäre er beim Holzbau geblieben, dann jedoch bekam er einen Studienplatz in Wiesbaden: Architektur. Nach dem Studium begann er beim renommierten Architekturbüro JSK, das damals das Terminal 2 am Flughafen für Fraport entwarf und plante. Dort lernte er in kurzer Zeit viel in der Zusammenarbeit mit Oberpolieren der Philipp Holzmann AG, richtigen „Haudegen“, wie er sagt, deren Gesellschaft den Bau umsetzte. Als junger Architekt habe er damals zwei Möglichkeiten gehabt: „forsch voran“ und erklären, wie es geht, oder hinterherlaufen und lernen. „Ich habe mich für den zweiten Weg entschieden. Das war auch deutlich der bessere.“
Rohr baute sich beim Bau von Terminal 3 ein eigenes Team zusammen
Vor 20 Jahren ging er zur Fraport, dort folgten von 2008 an Ausbauarbeiten am Terminal 1 am Flugsteig A-Plus, der 2012 in Betrieb ging. Danach wurde er Servicebereichsleiter für das Immobilien- und Facilitymanagement, in dem mehr als 1000 Mitarbeiter tätig sind. „Ein gigantisches Feld“, wie Rohr heute sagt, das nicht nur mit Bauen zu tun habe. „Da ist der Winterdienst dabei, die Fahrzeugwerkstätten.“ Wirklich weg vom Flughafen schaffte er es nie. „Ich hab es nur über die A3 geschafft und dann das Squaire mitgebaut“, sagt er und lacht.

Als ihn 2020 Fraport-Chef Stefan Schulte fragte, ob er den Bau des Terminal 3 übernehmen könne, zögerte Rohr erst. „Ich wusste, was da kommt.“ Er sagte schließlich zu, aber nur mit „eigener Beinfreiheit“ und eigener Organisation, deren Mitarbeiter er sich aus seinem Netzwerk selbst zusammensuchte.
Über das Terminal 3 spricht er mit einem gewissen Stolz. Und er kennt jedes Detail und jede Hürde aus der technischen Inbetriebnahme: Von Rauchtests über die Technik im Gebäude, den Stress mit den Fluggastbrücken, die aus China geliefert werden mussten und lange im Suezkanal festhingen.
Mit dem Architekten Christoph Mäckler rang Rohr um Gestalt und Machbarkeit. Mäckler habe „alle drei Tage“ mit neuen Skizzen in seinem Büro gestanden. „Das war immer total angenehm, weil es eine sachliche Diskussion auf Augenhöhe war.“ Rohr schätzt Mäckler, weil er kämpfe, aber Argumente akzeptiere. „Wenn ich als Bauherr sage, ist nicht, dann ist nicht.“ Dennoch sei es nie bloß um Termine und Kosten gegangen, sondern um Qualität. „Wir sind da schon sehr ins Detail gegangen. Es ging immer um die beste Lösung, beim Material, der Form und der Funktion.“
Rohr lebt mit seiner Frau seit mehr als 20 Jahren im Frankfurter Nordend, fährt Fahrrad, schwärmt von kurzen Wegen im urbanen Zentrum und von der Familien-Vespa. Wenn man hier abends rausgehe, sei die ganze Straße voller Leute, alle Restaurants hätten im Sommer Tische draußen stehen. Ein Flair, das er genießt. Das Auto brauche er nur, um zum Golfspielen oder Wandern in der Region aus der Stadt rauszufahren.
Am Chiemsee hat die Familie eine zweite Heimat, dort wohnte die Schwiegermutter, mit den Kindern, die in der Region das Segeln und das Skifahren lernten, ging es dorthin jedes Jahr mindestens einmal in den Urlaub,
Rohr ist froh darüber, wie es am Flughafen gelaufen ist. „Es ist ja nicht jedem vergönnt, mit dem Abschluss von so einem Großprojekt seine Karriere zu beenden.“ Anfragen für Vorträge oder Coachings trudelten schon ein, er wolle aber erst mal den Sommer genießen und einfach mal „nichts machen“. Das Terminal laufe, abgesehen von „kleineren Kinderkrankheiten“. Er sei vollkommen zufrieden und genieße die freie Zeit. Wenn er jemandem aus dem Projektteam treffe, strahle der nach wie vor. „Wir alle schweben noch so ein bisschen.“
