
„Keine Person, die illegal nach Ceuta und Melilla einreist oder dies beabsichtigt“, werde in Ceuta bleiben oder auf das spanische Festland gelangen, sagte der spanischen Innenminister Fernando Grande-Marlaska. Die dort stationierten Soldaten wurden für das Wochenende alle dienstverpflichtet. Auch an der Küste der spanischen Exklave Melilla brachten Sicherheitskräfte wie in Ceuta eine Seebarriere an, die Schwimmer aufhalten soll, auf die spanische Seite der Grenze zu gelangen.
In Ceuta weiß man auch zwei Wochen nach dem großen Ansturm von fast 80.000 Menschen immer noch nicht, wie viele von ihnen in der spanischen Nordafrika-Exklave geblieben sind. Der spanische Innenminister spricht inzwischen von 5000 in Ceuta verbliebenen Migranten, während die Regionalregierung deutlich höhere Zahlen nennt.
Hilfsorganisationen warnen vor „humanitärer Krise“
Es seien „mindestens 9000 Menschen, was einem Bevölkerungszuwachs von zwölf Prozent bedeutet“, sagte der Regionalpräsident Juan Jesús Vivas. Die Bevölkerung könne die gegenwärtige Situation nicht mehr lange ertragen: „Ceuta kann nicht länger warten. Ceuta hält dieser Belastung nicht mehr stand“, sagte Vivas. Trotz zusätzlicher Polizisten fühlten sich die knapp 84.000 Einwohner nicht sicher. Seit dem Ansturm Ende Juli sind neun Migranten in Ceuta festgenommen worden, zwei wurden ausgewiesen. In drei Fällen wird den Personen Vergewaltigung vorgeworfen.
Laut dem Innenminister Grande-Marlaska wurden bisher fast 1900 unbegleitete Minderjährige registriert. Zudem seien mehr als 500 Asylanträge bearbeitet worden, von denen die überwiegende Mehrheit abgelehnt worden sei. Die Hilfsorganisation „Save the children“ warnt vor einer „humanitären Krise“ in Ceuta: „Kinder im Alter von nur sieben Jahren auf der Straße, zusammen mit schätzungsweise 2000 anderen Kindern ohne Schutz oder angemessene Unterstützung“. Nachbarschaftsvereine in Ceuta schätzen die Zahl der Minderjährigen sogar auf 4000.
Am Trampolín-Strand im Norden von Ceuta halten sich zudem immer noch Hunderte afrikanische Migranten auf. „Die Szene erinnert an ein Entwicklungsland. Hütten, Essensausgabe, überfüllte Unterkünfte, eine Welt am Rande der Gesellschaft, wo NGOs versuchen, für Ordnung zu sorgen“, schreibt das lokale Nachrichtenportal Faro de Ceuta. Die Polizei musste dort laut Presseberichten mehrfach eingreifen, weil es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen unter Migranten gekommen war. In Ceuta wurden bisher nur sechs der insgesamt 82 auf spanischer Seite geborgenen Leichen identifiziert. Die Toten waren nach Presseberichten alle Marokkaner.
Marokko greift mit Großaufgebot und Festnahmen durch
Nach Angaben des marokkanischen Innenministeriums wurden „alle erforderlichen Mittel mobilisiert, um jedem Versuch einer illegalen Einreise nach Ceuta und Melilla entgegenzuwirken“. Gegen jede Person, die an gesetzlich verbotenen Handlungen beteiligt sei, werde man strafrechtliche Schritte einleiten, sagte ein Sprecher, den marokkanische Medien zitierten. So wurde eine „Gruppe von Individuen“ festgenommen, die verdächtigt werden, an dem Aufruf für den 15. August beteiligt zu sein.
In den vergangenen Tagen war es bereits zu Festnahmen und ersten Anklagen in Marokko gekommen. Marokkanische Medien berichteten, es seien Verfahren gegen mehr als 80 Personen eingeleitet worden, die an dem Ansturm auf Ceuta und Melilla beteiligt waren. Mehrere Freiheitsstrafen wurden demnach verhängt.
Ein Großaufgebot der Sicherheitskräfte hat nicht nur die Grenze abgeriegelt, sondern ist auch an weiter entfernten Bahnhöfen, Busterminals und Checkpoints im Einsatz, wo vor allem Taxis und Busse kontrolliert werden. Die Grenzbefestigungen an Land und auf dem Meer wurden nach Presseberichten ausgebaut. Am 30. Juli war den marokkanischen Sicherheitskräften vorgeworfen worden, sie hätten zunächst Zehntausende nicht aufgehalten, von denen die meisten nach Ceuta schwammen, um am nächsten Tag fast alle wieder nach Marokko zurückzukehren.
