
Mehr als 17.000 Zuschauer besuchen im Durchschnitt die Heimspiele von Darmstadt 98 in der Zweiten Fußball-Bundesliga. Der Gedanke, den Menschen im Stadion und der noch viel größeren Zahl an Zuschauern an den Fernsehgeräten eine Technologie näherzubringen, die eines Tages die Energieprobleme dieses Landes beheben könnte, erscheint angesichts der Strahlkraft des Fußballs erst einmal nachvollziehbar.
Schließlich kann mit dem Begriff der Laserfusion kaum ein Normalbürger etwas anfangen. Und Focused Energy, das Start-up aus Darmstadt, das die Laserfusion als Methode zur Energiegewinnung zum Erfolg führen soll, wird wohl den wenigsten Menschen der Region ein Begriff sein – obwohl mithilfe der neuartigen Zukunftstechnologie in Südhessen rund um das Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Biblis ein ganzes Ökosystem mit vielen Arbeitsplätzen entstehen könnte.
Vor diesem Hintergrund erscheint die Nachricht, dass Focused Energy als Partner beim SV Darmstadt 98 einsteigt und dort künftig unter anderem auf Banden am Spielfeldrand zu sehen sein wird, wie es bereits beim ersten Heimspiel am Wochenende gegen Holstein Kiel zu sehen war, als sinnvoller Ansatz, um möglichst viele Menschen zu erreichen.
Und doch wirft die sogenannte Premiumpartnerschaft zwischen dem jungen Energieunternehmen und dem Traditionsklub Fragen auf. Immerhin hat Focused Energy in den vergangenen Jahren nicht nur in erheblichem Umfang privates Kapital eingesammelt, um die Technologie weiterentwickeln und in den Forschungscampus in Biblis, gemeinsam mit dem Essener Energieriesen RWE, investieren zu können. Daneben hat das Unternehmen in der jüngeren Vergangenheit auch öffentliche Fördergelder, etwa vom Land Hessen, in Millionenhöhe erhalten.
Vor diesem Hintergrund ist es bedauerlich, dass das Unternehmen die Summe, die ihm die Partnerschaft mit dem Fußballverein wert ist, nicht nennt. In der Regel zahlen Unternehmen dafür, bei einem Fußballverein mit ihrem Logo auftreten und werben zu dürfen. Wie hoch der Betrag ist, das soll in diesem Fall allerdings geheim bleiben. Doch gerade wenn öffentliches Geld im Spiel ist, ist Transparenz ein besonders hohes Gut.
Dass ein Fußballverein der Region für ein Zukunftsprojekt im näheren geographischen Umfeld wirbt, ist gut. Dass ein Unternehmen auf Menschen zugehen will, ebenso. Ob ein Sponsoring dafür das Mittel der Wahl ist, sei dahingestellt, schließlich ersetzt Sichtbarkeit keine Aufklärung. Doch selbst wenn man zu dem Schluss kommen sollte, dass die Kooperation sinnvoll ist: Es wäre durchaus wünschenswert und zudem eine vertrauensbildende Maßnahme, wenn die damit verbundenen Zahlen dem Steuerzahler offengelegt würden.
