
Das neue Schuljahr wartet in Hessen mit einigen Besonderheiten auf. Die erste Stufe des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler wird eingeführt, und die meisten Schulträger scheinen darauf gut vorbereitet zu sein. Zumindest die Erstklässler, für die der Rechtsanspruch zunächst gilt, können offenbar weitgehend mit Betreuungsplätzen versorgt werden. Doch ältere Schüler haben mitunter noch das Nachsehen.
Eine zweite Neuerung ist die datengestützte Lernstandserhebung. Das Land Hessen will künftig häufiger das Bildungsniveau der Schüler messen und beginnt damit im Fach Mathematik an 60 Pilotschulen. Das erscheint sinnvoll, allerdings ist nicht klar, was mit den Ergebnissen der Lernstandserhebung geschieht. Die Lehrer sollen ihre Schüler dadurch besser individuell fördern können. Aber das kann nur der erste Schritt sein. Erst wenn die Daten wissenschaftlich ausgewertet und analysiert werden, kann das Land auch die richtigen Schlüsse daraus ziehen und an den Schulen bei Bedarf nachjustieren.
Etwas hilflos wirkt der Plan der Landesregierung, im neuen Schuljahr eine feste tägliche Lesezeit von 20 bis 25 Minuten an den Grundschulen einzuführen, zunächst probeweise an 100 Schulen für Dritt- und Viertklässler. Die Lesekompetenz soll dadurch gestärkt werden. Aber geht es nicht zulasten anderer Unterrichtsinhalte, wenn eine halbe Schulstunde ausschließlich für betreutes Lesen verwendet wird? Es ist auch die Aufgabe der Eltern, die Kinder an altersgerechte Lektüre heranzuführen, damit sie in der Freizeit ihre Lesefähigkeiten verbessern. Wer abends vor dem Einschlafen noch zum Kinderbuch greift, kommt auch besser zur Ruhe. Das darf auch ein Comic sein.
Zahl der Lehrer stabil, Schülerzahl wächst
Zwar bleibt die Zahl der Lehrer in Hessen insgesamt stabil, mit rund 67.000. Allerdings steht ihr ein leichter Zuwachs der Schülerzahl gegenüber. Für 809.000 Schüler beginnt am Montag in Hessen wieder die Schule. Das sind 6000 mehr als im Vorjahr. Die Lehrerstellen können mit der Steigerung der Schülerzahlen nicht mithalten. Das ist ein schlechtes Zeichen, zumal durch Kürzungen im Landeshaushalt an Brennpunktschulen und Integrierten Gesamtschulen Stellen wegfallen.
Die Lage wird nicht einfacher. In den nächsten Jahren gehen auch an den Schulen die geburtenstarken „Boomer“-Jahrgänge in den Ruhestand. Viele ältere Lehrer werden dann pensioniert. Es ist nicht leicht, diesen Effekt auszugleichen. Immerhin ist es in Hessen in diesem Jahr gelungen, mehr Referendare an die Schulen zu bringen, sowie junge Lehrer, die nach dem Abschluss des Vorbereitungsdiensts ihre erste feste Stelle antreten. Das macht Hoffnung.
