
Das erste Saisonziel hat die Frankfurter Eintracht nicht erreicht: den Kader für die neue Saison deutlich vor dem Pflichtspielstart beisammenzuhaben. Als der neue Trainer Adi Hütter diesen Wunsch bei seiner Vorstellung vor zwei Monaten äußerte, war ihm wohl schon bewusst, dass er nicht sehr realistisch ist. Bei so vielen Stellen, an denen die Eintracht den Meißel ansetzen will, um die Arbeiten im Steinbruch Bundesligakader nach ihren Plänen auszuführen.
Einerseits wünscht sich Hütter die Reduzierung des Kaders von 30 Feldspielern auf 22, andererseits sieht er die Notwendigkeit, das Niveau noch mit Neuzugängen zu heben. Was die Aussagekraft der bisherigen Testspiele über die Leistungsfähigkeit des Kaders in der neuen Saison gegen null streben lässt. Sie gaben allenfalls Aufschluss über die Perspektiven einzelner Spieler. So haben Torwart Kaua Santos und Außenverteidiger Elias Baum ihren Status anheben können.
Kein Anlass zu akuter Sorge
Eine Aussage lässt sich auf jeden Fall treffen: Es besteht für die Eintracht-Fans kein Anlass zu akuter Sorge, dass das Ziel Europa unrealistisch geworden ist. So viel hat sich sondiert, um festzuhalten: Die Eintracht kann auf ein Gerüst von Profis bauen, die gut genug sind, um Platz sechs in der Bundesliga zu erreichen – mit der Einschränkung, dass ein unmoralisches Überraschungsangebot wie es Coventry für Amenda abgab, doch noch für einen Burkardt, Larsson oder Collins auf den Tisch flattern kann.
Im Normalfall aber bilden sie mit Koch, Doan, Knauff, Hojlund und Götze die Streben, die stabil genug sind, um Belastungstests durch Gegner aus der unteren Tabellenhälfte zu widerstehen und um gegen die Konkurrenz aus der gehobenen Mittelklasse zu bestehen.
Zudem darf man nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre annehmen, dass von den neu verpflichteten Talenten Otavio, Onyedika, Aseko und Pimpong nicht alle enttäuschen werden, im Gegenteil, die Trefferquote von Sportvorstand Markus Krösche war im Bundesligavergleich überdurchschnittlich hoch. Außerdem könnte Uzun durchaus bleiben und auch Chaibi, Bahoya und Theate sind noch nicht weg. Nach ihren durchwachsenen Leistungen in der vergangenen Spielzeit würde ihnen die Eintracht bei einem Wechselwunsch keine Steine in den Weg legen. Aber sie würde diese Profis auch ohne Kopfschmerzen behalten, haben sie doch ihr gehobenes Potential schon nachgewiesen.
Das wieder freizulegen, ist der Auftrag an Trainer Hütter – und zwar bei allen Spielern. Der Österreicher hat in seinen ersten Wochen am Main alle Erwartungen erfüllt, mit großer Leidenschaft, Seriosität und Klarheit den Schlendrian auszutreiben, der sich nach Platz drei und dem Einzug in die Champions League eingeschlichen hat. Hütter ist die vielleicht größte Eintracht-Hoffnung – als Heber des verborgenen Eintracht-Schatzes.
