
In seiner bislang kurzen Zeit als börsennotiertes Unternehmen hat SpaceX eine sehr wechselhafte Entwicklung erlebt. Die Aktie kam im Juni zu einem Ausgabepreis von 135 Dollar an die Börse, was einer Marktkapitalisierung von fast 1,8 Billionen Dollar entsprach. Der Börsenstart war erfolgreich, am ersten Tag legte der Kurs auf mehr als 160 Dollar zu und in den Tagen danach sogar auf mehr als 200 Dollar. Danach ging es aber bergab, und am Dienstag notierte die Aktie zum Handelsschluss bei rund 125 Dollar, also unterhalb des Ausgabepreises. Der Kursrückgang hat dafür gesorgt, dass Musk seinen zwischenzeitlichen Rang als Billionär wieder eingebüßt hat.
Starlink ist Umsatzbringer
Für das zweite Quartal meldete SpaceX ein Umsatzwachstum von 92 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar. Das war eine dramatische Beschleunigung im Vergleich zum ersten Quartal, als das Wachstum noch bei 15 Prozent lag. Analysten hatten im Schnitt mit 6,9 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettoverlust betrug 541 Millionen Dollar und war damit in etwa halb so hoch wie vor einem Jahr.
SpaceX wurde schon 2002 gegründet und ist traditionell auf Raketen und Raumschiffe spezialisiert, die Nutzlast und Astronauten bringen, insbesondere für die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA. Dieses Segment brachte im abgelaufenen Quartal einen Umsatz von 962 Millionen Dollar ein und ist somit mittlerweile die kleinste Sparte.
Das umsatzstärkste Geschäft ist Starlink. Damit stellt SpaceX mittels Satelliten aus dem Weltall Hochgeschwindigkeitszugänge aus dem Internet zur Verfügung. Ende des Quartals hatte Starlink zwölf Millionen Abonnenten, drei Monate zuvor waren es noch 10,3 Millionen. Der Umsatz der Starlink-Sparte stieg gegenüber dem Vorjahr um 66 Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar. Gwynne Shotwell, die als Chief Operating Officer gewissermaßen die Nummer zwei im Unternehmen ist, sagte am Dienstag, sie rechne damit, mit Starlink den großen amerikanischen Telekommunikationskonzernen AT&T, Verizon und T-Mobile viele Kunden abnehmen zu können.
Das dritte Geschäftsfeld ist Künstliche Intelligenz, SpaceX hat in diesem Jahr Musks KI-Unternehmen X.AI übernommen. In dieser Sparte hat sich der Umsatz auf 2,6 Milliarden Dollar mehr als verdreifacht. Dies erklärt sich vor allem mit Vereinbarungen zur Vermietung von Computerkapazitäten in seinen Rechenzentren, die SpaceX in den vergangenen Monaten mit Anthropic und Google geschlossen hat. Allein Anthropic zahlt SpaceX dafür 1,25 Milliarden Dollar im Monat. Um seine Kapazitäten auszubauen, hat SpaceX seine Investitionen massiv aufgestockt. In der KI-Sparte waren es im vergangenen Quartal 15,8 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie noch im ersten Quartal. Musk sagte am Dienstag, SpaceX habe sich verpflichtet, fortan nur noch KI-Chips von Nvidia in seinen Rechenzentren zu nutzen, weil dies die besten seien. Daraufhin gewann die Nvidia-Aktie im nachbörslichen Handel an Wert.
An den Finanzmärkten wird spekuliert, dass Musk sein Imperium weiter umbauen und SpaceX mit dem Elektroautohersteller Tesla fusionieren könnte. Musk hat das kürzlich bei der Vorlage von Teslas Quartalsergebnissen nicht ausgeschlossen und auf Synergien zwischen beiden Unternehmen verwiesen.
Ähnlich wie er dies auch bei Tesla tut, nutzte Musk auch die Vorlage von SpaceX-Zahlen, um rosige Versprechungen für die Zukunft zu machen. Er sagte zum Beispiel, Starlink könnte in weniger als zehn Jahren die Mehrheit aller Internetverbindungen auf der Welt liefern. Vor wenigen Wochen schrieb Musk auf der ebenfalls zu SpaceX gehörenden Onlineplattform X: „SpaceX wird mehr sein als der Rest der Erde, wenn wir unsere Ziele erreichen.“
