Es ist nicht leicht, im Unternehmen des Vaters zu arbeiten und später die Nachfolge anzutreten. Die Architektin Petra Wörner hat das mit Erfolg gemacht. Nach dem Studium in Stuttgart und Illinois sowie einigen Jahren in New York ist sie 1984 in das von ihrem Vater Heinrich 1971 in Frankfurt gegründete Architekturbüro Wörner + Partner eingetreten. 2001 hat sie das Unternehmen zusammen mit Stefan Traxler und Martin Richter übernommen. Jetzt hat die 1957 in Karlsruhe geborene Architektin den Weg frei gemacht für den nächsten Generationswechsel. Die jüngeren Büropartner, die nun in der Verantwortung sind, konnten sich schon in den vergangenen Jahren darauf vorbereiten. „Die Jungen sollen stürmen dürfen.“
Vor wenigen Wochen hat sich Petra Wörner auf der Feier zum fünfundfünfzigjährigen Bestehen des Büros verabschiedet. Sie habe Verlässlichkeit und Verantwortung, Wandel und Weiterentwicklung vorgelebt, hieß es in einer Würdigung. Die herzlichen Worte und guten Wünsche ihrer Mitarbeiter haben ihr den Übergang in eine neue Lebensphase sicher erleichtert. Wichtig ist für sie aber auch die Gewissheit, dass sie das, was sie mit ihren Partnern aufgebaut hat, in gute Hände übergeben hat. Immerhin ist Wörner Traxler Richter (WTR) heute eines der führenden Architekturbüros für Gesundheits- und Forschungsbauten in Europa.
Den Neubau des Klinikums in Frankfurt-Höchst hat WTR ebenso entworfen wie das Klinikum in Offenbach und die Erweiterung der Frankfurter Uniklinik. Auch in der Schweiz war das Büro tätig, etwa beim Neubau des Kantonsspitals Aarau. „Die Schweiz ist uns weit voraus, gerade was den Anspruch an die Architektur betrifft“, sagt Petra Wörner, die sich als Mitglied des Städtebaubeirats auch mit der Frankfurter Stadtentwicklung befasst hat.
Krankenhäuser als Teil des Stadtgebildes
Ihr geht es darum, Gesundheitsbauten nicht isoliert zu betrachten. Schon ihr Vater habe erkannt, „dass ein Krankenhaus nicht ein funktionales Gebäude ist, sondern Teil eines Stadtgebildes“, sagt sie. „Healing architecture“ hat sie sich zum Thema gemacht, also einen Gestaltungsansatz, der darauf zielt, durch Räume, Licht und Materialien die Genesung zu fördern. Aber auch Schulen und Kulturbauten – am bekanntesten ist das Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg – gehören zum Portfolio des Büros, das an den Standorten Frankfurt und Dresden rund 200 Mitarbeiter hat. Die Grundrisse der sehr unterschiedlichen Gebäude hängen am Eingang zum Büro auf dem Gelände der ehemaligen Union-Brauerei im Frankfurter Ostend.

Aus einem Entwurf für Frankfurt, dem Neubau des Adorno-Gymnasiums an der Miquelallee, wird voraussichtlich nichts, weil die Grundstücksfrage zwischen Stadt und Land nicht geklärt werden konnte. „Das ist sehr bedauerlich“, sagt Wörner. „Da ist viel Herzblut reingeflossen.“ Besser sieht es aus für den von WTR entworfenen Neubau der Heinrich-Kromer-Schule in Niederursel, ganz in der Nähe des ursprünglichen Bürostandorts von Wörner + Partner in der Nordweststadt. „Wenn das mein Vater noch erlebt hätte“, sagt Petra Wörner.
Sie selbst lebt in Eschersheim in einem Haus aus der Ära des Neuen Frankfurt, das sie mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann vor einigen Jahren saniert hat. Auch wenn sie die leitende Rolle im Architekturbüro aufgegeben hat, wird es der weiterhin sehr umtriebigen Petra Wörner nicht langweilig. Ehrenamtlich engagiert sie sich zum Beispiel in der Frankfurter Bürgerstiftung, ist dort Mitglied des Kuratoriums. Und da hat sie erst einmal wieder mit Bauen zu tun. Denn der Sitz der Stiftung, das Holzhausenschlösschen im Frankfurter Nordend, wird gerade umfassend saniert.
