Nicht erst seit Gianni Infantinos Masterplan bekannt wurde, die Vermarktungsrechte an der Fußball-Weltmeisterschaft zu verscherbeln, sind Investoren im Fußball ein Reizthema. In England pumpen sie schon seit Jahren Geld in die Klubs, als gäbe es kein Morgen mehr. Mal aus amerikanischen Hedge-, mal aus saudischen Staatsfonds. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. In Deutschland wird die Debatte darüber, ob man denn nun nicht selbst dringend frisches Geld bräuchte, um mit den neureichen Engländern mitzuhalten, alle Jahre wieder geführt. Mal mit mehr, mal mit weniger Nachdruck.
Die Bundesliga hält allen Verlockungen zum Trotz an der 50+1-Regel fest, die den Stammvereinen der ohnehin meist ausgegliederten Profiabteilungen die Stimmhoheit wahrt. Der Einstieg eines Investors beim Ligaverband scheiterte vor gut zwei Jahren am massiven, bisweilen hysterischen, Widerstand der Fans. Und jetzt? Ein US-Finanzriese gibt der Bundesliga gerade eine Milliarde Gründe, einen zweiten Versuch zu starten. Ein Angebot, so gut, dass sie es zumindest nicht sofort ablehnen konnte.

Bevor es nun aber wieder gleich Tennisbälle auf die Spielfelder regnet: Womöglich reicht schon ein Verweis auf die Regionalliga Bayern, um jene, die der Aussicht auf schnelles Geld verfallen sind, eine Mahnung auszusprechen. Da laufen am Samstag die einst stolzen „Löwen“ vom TSV München von 1860 e.V. auf. Mit vom Investor gestutzter Mähne. Denn die „Löwen“ dürfen vorerst nicht mehr wie „Löwen“ aussehen.
Hasan Ismaik hatte ihnen erst die Zahlung von 2,7 Millionen Euro, die zum Erhalt der Lizenz für die dritte Liga erforderlich gewesen wäre, verweigert. Die GmbH und Co. KGaA, in die 2002 die Profifußballabteilung ausgegliedert worden war, ist mittlerweile insolvent. Die Namens- und Logo-Rechte des Vereins liegen zwar weiter beim e.V. Die Nutzung für kommerzielle Zwecke ist ihm aber untersagt: Die Rechte am Merchandising hatte der Klub an seinen windigen Investor abgetreten, mit dem er schon seit Jahren im Zwist ist.
Auftritt im Behelfstrikot
Am Samstagnachmittag, Gegner ist der FC Schweinfurt, starten die „Löwen“ nun in behelfsmäßig aussehenden 0815-Trikots in die Saison. Das provisorische Wappen, das sie ziert, haben die Klubverantwortlichen wohl irgendwo im eigenen Vereinsmuseum ausgegraben. Ein „F“ und ein „A“ (für Fußball-Abteilung) sind darauf zu sehen, dazu die Zahl des Gründungsjahres 1860. Nach Klubangaben soll das Logo erstmals 1919 aufgetaucht sein. Über die genaue Entstehung würde es allerdings bis heute keine gesicherten Erkenntnisse geben.
Die Trikots mit Löwenlogo gibt es nun zu reduzierten Preisen – vielleicht etwas für Fußballromantiker, die etwas subtiler Protest gegen Investorengeld üben wollen. Aber aufgepasst: Die Einnahmen gehen an Ismaik.
Heißt das nun, dass Finanzspritzen jeder Art im Fußball abzulehnen sind? Nein. Ligen und Klubs sollten sich nur vorher gut überlegen, an wessen Tropf sie sich hängen. Und worüber sie besser selbst die Kontrolle bewahren. Den Entscheidern bei der Bundesliga ist das zuzutrauen. Bei Infantino und der FIFA sind wir uns da nicht so sicher.
