
Die US-Notenbank hält den Leitzins stabil: Die Federal Reserve (Fed) beließ ihn im Zielkorridor zwischen 3,50 bis 3,75 Prozent, wie sie am Mittwoch nach zweitägiger Sitzung des Offenmarkt-Ausschusses mitteilte. Drei von zwölf Zentralbankern stimmten allerdings gegen die Entscheidung. Sie befürworten einen leichten Anstieg des Leitzinses, um die Inflation in Zaum zu halten. Die Kerninflation ohne Preise für Energie und Lebensmittel war im Mai nach dem bisher von der Fed bevorzugten Inflationsindikator auf 3,4 Prozent gestiegen und liegt damit über der Zielmarke von 2 Prozent. Im Juni hatte ein anderer Inflationsindikator leicht nachgegeben.
Fed-Chef Kevin Warsh warnte aber vor dem Eindruck, die Notenbank habe sich insgeheim auf ein Inflationsziel verständigt, das oberhalb der kommunizierten 2-Prozent-Marke liegt. „Lassen Sie mich herausstellen: Es gibt kein weiches Inflationsziel“, sagte Warsh in der Fed-Pressekonferenz. Die Fed werde Preisstabilität liefern und diese sei als 2-Prozent-Inflation definiert.
Investitionen boomen in den USA
Warsh stellte die „eindrucksvolle Robustheit“ der amerikanischen Wirtschaft heraus. Sie halte jüngsten Schocks stand. Die Arbeitslosigkeit habe sich kaum verändert, die Konsumausgaben blieben stabil. Besonders auffällig sei das Wachstum der Investitionen, speziell Investitionen in Projekte, die mit der Expansion von Künstlicher Intelligenz (KI) im Zusammenhang stehen.
Die Fed hat sich laut Warsh ausführlich mit der Frage beschäftigt, ob diese Investitionen die Inflation befeuern, nachdem die Preise für Speicherchips und KI-Infrastruktur gestiegen sind. Warsh hatte vor seiner Nominierung zum Fed-Chef für die These geworben, die KI-Revolution dämpfe dank gewaltiger Produktivitätszuwächse den Preisdruck und rechtfertige damit niedrigere Leitzinsen.
Auch die Wirkung anderer Schocks ist schwer zu beurteilen. Fed-Vertreter hatten das jüngste Aufflammen der Inflation auf einmalige Ereignisse wie die neuen Zölle und den Iran-Krieg zurückgeführt. Doch der Dissens bei der Abstimmung über die Geldpolitik zeigt, dass mehrere von ihnen die Geduld verlieren. Eine große Sorge ist, dass Inflationserwartungen in Rutschen kommen und dass eine anhaltende Verfehlung des Inflationsziels die Glaubwürdigkeit der Notenbank als Inflationsbekämpfer untergräbt.
Warsh sieht erste Fortschritte der Neuausrichtung der Kommunikation der Fed, die den Finanzmärkten keine Zinssignale mehr geben will. Jüngste Zinsbewegungen hätten reale Marktverhältnisse reflektiert und nicht Spekulationen auf Fed-Entscheidungen.
