Als Bonnik Hansen 1974 seine eigene Firma gründete, fuhr er mit einem kleinen Sortiment Haustierbedarf von Geschäft zu Geschäft, um die Ware zu verkaufen. Ein halbes Jahrhundert später ist die Marke Trixie eine feste Größe in der Heimtierbranche, 30.000 Fachhändler in Deutschland und Europa werden beliefert. Aber da geht noch mehr. Für Central Garden & Pet soll Trixie die Keimzelle für eine europäische Expansion werden, wie Niko Lahanas, der Chef des neuen Haupteigentümers, durchblicken lässt.
340 Millionen Euro in bar
„Mir war sofort klar, dass Trixie der richtige Partner wäre, wenn wir nach Europa expandieren wollen“, berichtet Lahanas im Gespräch mit der F.A.Z. von seinen ersten Eindrücken bei der Deutschen Bank als Vermittlerin. 400 Millionen Dollar ist Central Garden & Pet nun bereit für einen 80-Prozent-Anteil an Trixie zu zahlen. 340 Millionen Euro in bar werden beim finalen Abschluss des Geschäfts, voraussichtlich Anfang 2027, fällig. Bis zu 60 Millionen Dollar sind erfolgsabhängige Zahlungen. Für die Transaktion hat Bonnik Hansen zuvor seinen Anteil an seine gemeinnützige Stiftung übertragen – denn das war sein treibendes Motiv, wie er es beschreibt: „Ich bin jetzt 77 Jahre alt. Was, wenn mir morgen etwas passieren würde …?“
Central ist ein börsennotiertes Familienunternehmen mit Sitz in Walnut Creek in Kalifornien. Mit 6000 Beschäftigten und einem Nettoumsatz von zuletzt 3,1 Milliarden Dollar ist Central etwa zehnmal so groß wie die Trixie Heimtierbedarf GmbH & Co. KG, die zuletzt einen Umsatz von 266 Millionen Euro vermeldete. Miteigentümer bleiben auch künftig Trixie-Urgestein Volker Haak, der es vom Azubi bis zum Geschäftsführer geschafft hatte, sowie Dirk Jessen, der aktuell noch Geschäftsführer ist. Burkhard Friedrichsen bleibt ebenfalls Geschäftsführer.
Das Wissen gut schützen
„Im ersten Jahr wollen wir lernen“, kündigt Lahanas an, Central von Trixie und umgekehrt. Trixie habe viele neue Ideen. Central Garden & Pet wiederum halte selbst 800 Patente und könne Trixie dabei helfen, das eigene Wissen gut zu schützen, berichtet Glen Axelrod von seinen Überlegungen. Er verantwortet bei Central das Geschäft mit Hunden und Katzen und wird in der neuen Trixie-Welt seine Expertise als Beirat einbringen.
Die meisten der Central-Patente bezögen sich auf besonders effiziente Produktionsprozesse, berichtete Axelrod. Damit und durch Skaleneffekte könne man Billiganbieter fernhalten, macht er klar. Womöglich könnte so auch Tarp, der Firmensitz von Trixie in der Nähe von Flensburg, eines Tages zum Standort einer neuen Produktionsstätte werden, stellt er in Aussicht. Dadurch könne man ja auch Transportkosten sparen – zumal man einige Zulieferungen sowieso aus Deutschland beziehe, etwa hervorragende Kartoffeln, die man zu Snacks verarbeite.
Snacks sind wichtig fürs Geschäft
Snacks sind ganz offenkundig ein großes Thema für den neuen Spieler auf dem deutschen Heimtiermarkt. Geruch und Geschmack müssten die Tiere sofort überzeugen, und sie müssten gesund sein, ohne zugesetzten Zucker, Salz oder Konservierungsstoffe, erläutert Central-Chef Niko Lahanas. Und sie müssten natürlich ihren Zweck erfüllen, sei es als Belohnung oder auch als Beschäftigung.
Am Trixie-Umsatz machen Leckerli, Kauknochen und Zwischenmahlzeiten schon jetzt rund 30 Prozent aus. Der Anteil dürfte unter Ägide des neuen Haupteigentümers noch kräftig steigen, wie Axelrod deutlich macht, indem er die betriebswirtschaftlichen Vorteile dieses Produktsegments herausstellt. Während Snacks täglich verbraucht werden, müssen Halsbänder und Leinen, Hundeboxen oder Katzenkörbchen nicht so oft nachgekauft werden, so die Logik.

Genau diesen Effekt hat Trixie in den zurückliegenden Jahren deutlich zu spüren bekommen. Wie der gesamte Heimtiermarkt ist auch das Familienunternehmen während der Corona-Zeit kräftig gewachsen. „Viele Tiere wurden erstmals angeschafft, und die Menschen haben nicht so viel Geld für Urlaub ausgegeben“, bringt Geschäftsführer Dirk Jessen die Besonderheiten der Pandemie in Erinnerung. Jetzt aber bekomme der Markt zu spüren, dass die Konsumstimmung schlechter sei. Statt mehrerer Halsbänder hätten die Hunde jetzt eben nur noch zwei, und das Hundekörbchen werde noch ein Jahr länger genutzt.
„Wir sind supergesund“
Von Umsätzen jenseits von 320 Millionen Euro während Corona ist das Geschäftsvolumen mittlerweile auf weniger als 260 Millionen Euro geschrumpft. Das sei aber immer noch deutlich mehr als vor der Pandemie, betont Vertriebsgeschäftsführer Burkhard Friedrichsen und fügt hinzu: „Wir sind supergesund.“ Tatsächlich zeigt sich in den im Unternehmensregister veröffentlichten Geschäftsberichten, dass Trixie ganz ohne Bankschulden operiert. Jetzt sehe er die Chance, dass man mit Central neuen Schwung bekomme.
Auf ein konkretes Wachstumsziel lassen sich die neuen amerikanischen Eigentümer zwar nicht festlegen, doch Central-Chef Lahanas macht deutlich, dass es keine Denkverbote gibt. Während Trixie bisher organisch gewachsen sei, könne man sich auch künftiges Wachstum über Zukäufe oder Fusionen vorstellen, sagt er.
Genau das ist, was Trixie-Gründer Bonnik Hansen seinerseits von Central Garden & Pet als Käufer überzeugt hat: eine vorwärtsgewandte Zukunftsplanung. Es hätte auch einige Finanzinvestoren als Kaufinteressenten gegeben, berichtet er der F.A.Z. am Montagvormittag, nachdem die Verträge unterzeichnet sind: Aber die hätten doch nur den baldigen Wiederverkauf vor Augen, womöglich an einen anderen Finanzinvestor. Central selbst dagegen habe schon Dutzende Unternehmen gekauft und alle behalten und weiterentwickelt, gibt Bonnik Hansen zu bedenken. Er sei sich sicher, dass er den richtigen Partner für Trixie gefunden habe.
