In New York geht man gegen Buchfreunde vor: Der 31-jährige Mendel Uminer verlor jetzt seine Wohnung wegen seiner Leidenschaft. Ist das ein Fall von Diskriminierung?
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© James Estrin/NYT/Redux/laif
Bücher sind gefährlich: Das wissen Diktatoren, aber auch Vermieter. In New York strengte ein solcher neulich gegen den 31-jährigen Mendel Uminer ein Räumungsverfahren an. Dieser hatte laut New York Times in seinem Einzimmerapartment an der Upper East Side auf 56 Quadratmetern etwa 10.000 Bücher versammelt. Jeden Tag seien weitere hinzugekommen, so weit, so normal. Bis die Hausverwaltung wegen des »stark überfüllten Zustands« mit Räumung drohte: Die »übermäßige Anhäufung von Büchern« verursache eine »Brandgefahr«. Der Buchfreund zog vor Gericht, schließlich aber doch aus, mithilfe vieler schleppender Genossen; der systemische Druck im real existierenden Kapitalismus war einmal mehr zu groß. Was wie eine Niederlage wirkt, könnte sich jedoch durchaus als Fanal einer neuen sozialen Bewegung entpuppen: Längst ist die strukturelle Diskriminierung von Buchbesitzern ein gravierendes Problem, das alle westlichen Länder erfasst hat. Jahrhundertelang waren sie Avantgarde, umworben von Herrschern und Universitäten, geachtet und verehrt – heute gelten sie als nutzlose Sonderlinge von gestern, die nur den vermeintlichen Fortschritt auf dauerflimmernden Bildschirmen hemmen. Schon 179 Bücher pro Quadratmeter reichen da offenbar als Vorwand für repressive Maßnahmen gegen eine ausgegrenzte Minderheit. Dabei ist die wachsende Buchfeindschaft offensichtlich eine existenzielle Herausforderung für die Demokratie. Wenn der Staat seine Buchbesitzer nicht mehr schützen will, dann müssen sie selbst handeln, sie haben ja nichts zu verlieren als ihre Abertausenden Seiten. We are all Mendel: Buchbürger aller Länder, vereinigt euch!
