
Es klingt ein wenig kleinkariert und ist es wohl auch. Aber ärgerlich ist es dennoch. Geburtstagsfeier im Büro. Warme Worte, kalte Getränke, großzügiges Kollegengeschenk. Überreicht wird das von demjenigen, der sich weder um Ideenfindung, geschweige denn Beschaffung nennenswerte Gedanken gemacht hat, sich von derlei zeitraubenden Aufgaben aber mit einem fairen Betrag „freigekauft“ hat. Für diesen Orgakram hat der Mann keine Zeit.
Undankbare, weil vor den Führungskräften weitgehend unsichtbare Aufgaben überlässt Mr. Wichtig anderen. Nicht aber den selbstgefälligen Auftritt auf der kleinen Feier. Den reißt er an sich. Noch ehe die anderen es fassen können, schnappt er sich das repräsentative Präsent und überreicht es mit launigen „Glückwünsche-ich-darf-für-uns-alle-sprechen“-Worten, garniert mit einem hübschen Zitat zur runden Zahl, die Künstliche Intelligenz lässt grüßen. Topauftritt. Bei den Führungskräften kommt Mr. Wichtigs Selbstinszenierung an – guter Mann, auch im sozialen Miteinander!
Die anderen macht das Verhalten des Neuen rasend. Sie fühlen sich ausgetrickst. Das hat der zum ersten und zum letzten Mal gemacht, grummeln sie beim Restewegräumen, vor dem sich Mr. Wichtigtuer längst verdrückt hat. Bei einer wallt die Wut aus Schulzeiten hoch: als nämlich der freche Hajo sich stets in den Vordergrund drängte, Blumen, Kuchen, Bastelkunstwerke überreichte, obwohl er nie Hand anlegte. Unschlagbar war der darin, sich auf der Schleimspur ins Herz der gutgläubigen Grundschullehrerin zu katapultieren, deren Naivität bedenklich Richtung Dummheit tendierte.
Jung, klein, wehrlos, das war einmal. Morgen gibt es ein unangenehmes Klärungsgespräch mit Mr. Wichtig: Entweder organisiert er mit, oder er wird sich bei solchen Anlässen mit der hinteren Reihe begnügen! Ehre, wem Ehre gebührt. Von diesen Typen, die sich mit fremden Federn schmücken, gibt es noch eine beliebte Geizkragen-Variante. Das sind nämlich diejenigen, die Präsente bunkern, Gebäck oder Wein von Geschäftsfreunden, und die guten Gaben nicht – so wie es üblich ist – in der Teeküche aufbauen. Sie hamstern die Gaben wie hysterisch gewordene Prepper und rücken damit raus, wenn sie Geburtstag haben. Keine gute Gabe.
In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wöchentlich wechselnde Autoren mit einem Augenzwinkern über Kuriositäten im Arbeitsleben.
