Im Nachhinein ist es fast wieder komisch. Wahrscheinlich stimmt es, was man oder Woody Allen sagt: Komödie ist Tragödie plus Zeit.
Wir saßen jedenfalls zurechtgemacht in den Münchner Kammerspielen, vorn lief die Filmfest-Premiere des Dokumentarfilms Was haben wir gelacht über die Karriere von fünf deutschen weiblichen Comedians. Und vielleicht lag es an Hella von Sinnens Kiefer, der im Film nervös malmte, als sie Auftritte von sich als Putzfrau Schmitz beim Kölner Karneval 1984 sah. Vielleicht lag es am rührend pinguinhaften Frack, in dem sich von Sinnen auf die sonst rein männlich belegte Wetten-dass-Couch setzte. Vielleicht lag es an Maren Kroymanns Liedern, mit denen sie sich die Kabarettistinnen-Karriere erschmuggelte. Aber die Frauen hinter mir, Typ Mädelsausflug, die eben noch im derbsten Oberbairisch Münchner Cafépreise analysiert hatten, schnieften jetzt leise. Die Rentnerin drei Sitze weiter tupfte sich mit einem Taschentuch unter die Brillengläser, die junge Künstlerin vor mir schluchzte. Ich selbst hatte seit zehn Minuten nichts mehr in meinen Block geschrieben, sondern mir verwirrt Tränen aus den Augen gewischt. Es war wirklich etwas bescheuert: Die Frauen auf der Leinwand rissen Witze, und wir heulten. Hatten wir alle endgültig den Humor verloren? Was tat hier so weh? Oder gut?
