
Anders als ihr Vorgänger Robert Habeck von den Grünen wirbt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nicht ständig landauf, landab für mehr private Solaranlagen. Vielmehr dachte sie zum Beispiel laut über das Ende der staatlich garantierten Einspeisevergütung für den Strom aus Photovoltaikanlagen auf Einfamilienhäusern nach. Ob sich mit Solarpaneelen auf dem eigenen Dach liebäugelnde Hausbesitzer von solchen Aussagen haben beeindrucken lassen, steht dahin. Klar ist: Der private Solarausbau verlangsamt sich nach dem Boom in der letzten Phase der Corona-Pandemie. Das zeigen Zahlen der Oberhessischen Versorgungsbetriebe AG (OVAG) für die Wetterau.
Demnach sind im vergangenen Jahr im Gebiet des Regionalversorgers aus Friedberg 2243 neue Photovoltaikanlagen registriert worden und ans Netz gegangen. Im Vorjahr waren es noch 3756 gewesen. Von einem Einbruch des Solarausbaus kann damit aber nicht die Rede sein. Eher schon von einer Normalisierung. Denn im vergangenen Jahr hat die OVAG 105 neue Anlagen mehr verzeichnet, als das Unternehmen dies im Jahr 2023 getan hatte. Alles in allem spricht sie von mittlerweile 20.055 Sonnenstromlieferanten zwischen Butzbach und Büdingen, Gedern und Rosbach.
Zu berücksichtigen ist dabei folgender Umstand: Die Daten des Friedberger Versorgers gelten nicht für die gesamte Wetterau. In Bad Vilbel decken die örtlichen Stadtwerke den Markt ab, in Bad Nauheim beliefert das Unternehmen aus der Kreisstadt nur in Stadtteilen seine Kunden. In der Kernstadt haben die Stadtwerke das Sagen.
Umsatzsteuer entfällt bei kleineren Solaranlagen
Dessen ungeachtet haben Handwerksbetriebe, die Sonnenkollektoren auf private Dächer schrauben und Speicherbatterien in Kellern anbringen, in den vergangenen Jahren viel zu tun gehabt. Dies hängt mit einer steuerlichen Erleichterung der Ampelregierung zusammen. Seit Anfang 2023 sparen Hauseigentümer die 19 Prozent Umsatzsteuer auf den Erwerb der Solarpaneele nebst Wechselrichter und Speichereinheit. Die Vorgabe gilt für Anlagen mit einer Leistung von bis zu 30 Kilowattpeak, also der höchsten Leistung. Die Ersparnis macht bei einer Anlage mit einer Leistung von zehn Kilowattpeak, wie sie auf vielen Wohnhäusern üblich ist, einen mittleren vierstelligen Betrag aus, wie Bauherren wissen. Zudem sind Komponenten von Solaranlagen günstiger geworden.
Die meisten Solaranlagen sind im Wetterauer Versorgungsgebiet der OVAG in Butzbach hinzugekommen. Dort zählte das Unternehmen 258 Neuzugänge, gefolgt von Friedberg mit 210 und Büdingen mit 162. Karben lag mit 160 knapp dahinter. Dreistellig waren die Zuwächse auch in Altenstadt und Rosbach mit jeweils 126 neuen Sonnenstromlieferanten und Wölfersheim mit 124. Am Ende der Tabelle lagen Glauburg (25), Kefenrod (27) und Hirzenhain (31). Allerdings handelt es sich bei diesem Trio auch um die kleinsten Kommunen im Wetteraukreis. Besser schneiden die drei ab, wenn die Zahl der Solaranlagen auf die Bevölkerung umgerechnet wird. In Kefenrod sind es statistisch 9,8 Menschen je Minikraftwerk, in Glauburg 11,2 und Hirzenhain 11,4, während Friedberg den Wert 19,6 aufweist und in Büdingen 21 Einwohner auf eine Anlage kommen.
Am besten schneidet mittlerweile Wölfersheim mit 8,6 ab. Die 9250 Einwohner zählende Gemeinde gehört auch zur Spitzengruppe der Kommunen bei der installierten Leistung. Die OVAG meldet gut 19 Megawattpeak. Zum Vergleich: Die Sonnenkollektoren auf dem Dach eines Einfamilienhauses stehen in der Regel für etwa 10 Kilowattpeak. Ein Megawattpeak entspricht 1000 Kilowattpeak. Bei der installierten Leistung liegt im Wetterauer Versorgungsgebiet der OVAG den Daten zufolge Butzbach vorne mit 26,74 Megawattpeak vor Büdingen mit 21,05 und Wölfersheim. Nidda liegt auf Platz vier mit 18,1, gefolgt von Friedberg mit 17,73 und Karben mit 16,3.
Mit in die Statistik fließen nicht nur Sonnenkollektoren auf Dächern ein, die an hellen Tagen ein Vielfaches des Bedarfs des jeweiligen Hauses erbringen. Auch sogenannte Balkonkraftwerke werden trotz ihrer geringen Leistung berücksichtigt: Die reine Zahl der installierten Anlagen allein also sagt nicht viel aus.
