
Beim Brand auf der Baustelle eines Brüsseler Hochhauses sind am Dienstag sechs Arbeiter ums Leben gekommen. Zwei weitere Personen hätten schwere Verbrennungen erlitten, sagte der Sprecher der für Arbeitsrecht zuständigen Staatsanwaltschaft, Brecht Speybrouck, am Mittwochmorgen im Radiosender La Première. Die Leichname seien in einer Aufzugskabine gefunden worden, die infolge des Brandes abgestürzt sei. Am späten Abend seien die Einsatzkräfte zu einem zweiten Aufzugschacht vorgedrungen, hätten dort aber keine weiteren Opfer mehr gefunden. Bei den Toten handele es sich um fünf Belgier und einen Rumänen.
Das Feuer war am Dienstagmorgen im zweiten von 15 Stockwerken des Oxy-Turms im Zentrum der belgischen Hauptstadt ausgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 250 Arbeiter auf der Baustelle. Die Feuerwehr rückte mit sechs Löschzügen aus, die den Brand rasch unter Kontrolle brachten. Anschließend suchten Spezialkräfte des Zivilschutzes nach sechs Vermissten, die sie schließlich leblos fanden.
Ob das Feuer auf einen Defekt am Aufzug zurückgeht oder von außen auf den Schacht übergriff, müssen nun Sachverständige klären. Es gebe jedenfalls keine Anzeichen für Brandstiftung, sagte Speybrouck. Man gehe einstweilen von einem Unfall aus.
Renovierungsarbeiten standen vor dem Abschluss
Das Gebäude an der Place de Brouckère stammt aus dem Jahr 1971 und war bis 2022 Sitz der Brüsseler Stadtverwaltung; seinerzeit hieß es noch Centre Monnaie. Nach deren Umzug in einen benachbarten modernen Verwaltungskomplex wurde das Hochhaus mit dem kreuzförmigen Grundriss, das der Zentrale der EU-Kommission ähnelt, seit Mitte 2023 entkernt und renoviert. Diese Arbeiten standen vor dem Abschluss, der Turm soll künftig Wohnungen und ein Hotel beherbergen.
Belgische Politiker reagierten bestürzt. „Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen so verheerenden Brand in Brüssel erlebt zu haben“, sagte der Brüsseler Bürgermeister Philippe Close. Im Jahr 1967 waren bei einem Brand im Brüsseler Kaufhaus Innovation 251 Personen ums Leben gekommen. Am Dienstagnachmittag besuchten Ministerpräsident Bart De Wever und König Philippe die Unglücksstelle. Sie dankten den Einsatzkräften und sprachen den Angehörigen der Toten ihr Beileid aus.
