Es ist heiß und staubig, Radlader fahren über das Gelände, und Bauarbeiter sind trotz der Hitze fleißig bei der Arbeit. Die Transformation des Elsässer Platzes von einer öden Schotterfläche in einen grünen Klimapark läuft auf Hochtouren. „Das wird ein Ort für Erholung, Begegnung und Klimaanpassung“, sagte Bürgermeisterin Christiane Hinninger (Die Grünen) am Freitag, während sie mit Christian Peddinghaus, Projektleiter im städtischen Grünflächenamt, den Fortschritt des Vorhabens präsentierte. Der neue Park soll im Herbst dieses Jahres eröffnet werden. Die Arbeiten liegen im Zeitplan, und auch die Kosten bewegen sich trotz einiger Überraschungen weiterhin im Rahmen.
„Der Elsässer Park ist ein wichtiger Baustein für die klimaresiliente Entwicklung unserer Stadt“, konstatierte Hinninger und bezeichnete seine Konzeption als beispielhafte Antwort Wiesbadens auf die Klimakrise. Künftig werde die Großstadt mehr Orte brauchen, welche die Stadt kühlten und an denen man sich aufhalten könne. „Wir werden hier künftig mehr Schatten haben, mehr Verdunstung und mehr Grün“, kündigte die Umweltdezernentin für den 7800 Quadratmeter großen Platz an.
Die Umgestaltung des Elsässer Platzes in einen Klimapark ist Bestandteil des umfassenderen Vorhabens, in Wiesbaden ein „Schwammstadt-Konzept“ zu verwirklichen. Dazu ist vorgesehen, etwa 40 klimaresistente Bäume, 2200 Quadratmeter Strauch- und Staudenpflanzen sowie rund 3000 Quadratmeter Rasen zu pflanzen. Eine 200 Kubikmeter fassende Zisterne soll Regenwasser auffangen und dazu beitragen, dass die Pflanzen in trockenen Zeiten aus dem Wasservorrat versorgt werden. Die mit Anbauten etwa 45 Meter lange unterirdische Zisterne ist nach Auskunft von Peddinghaus bereits gebaut, und alle Leitungen wurden ebenfalls schon gelegt.

Das Konzept wurde gemeinsam mit dem kommunalen Entsorger ELW entwickelt und die angrenzende Klarenthaler Straße in das Regenwassermanagementsystem integriert. Das System soll auch helfen, die umliegenden Häuser und die Kanalisation vor Starkregen sowie Hochwasser zu schützen, zumal der Wellritzbach dort verläuft.
Terrasse für Boule und Tischtennis
In dem neuen Park wird unter anderem eine Terrasse für Spiele wie Boule und Tischtennis gebaut, und es wird einen Quartiersplatz geben, in dessen Mitte sich ein Fontänenfeld befindet. Die Wasserfontänen können nach den Worten von Peddinghaus bis zu einer Höhe von drei Metern verschiedene Sprühbilder erzeugen. Der Spielplatz mit seinen Spielgeräten ist größtenteils errichtet, und auf einer großen Fläche am Rande des Platzes liegen die alten Pflastersteine, die für das neue Pflaster abermals verwendet werden sollen. Zur Klarenthaler Straße hin sind bereits sieben Bäume gepflanzt worden. Es ist zudem gelungen, viele große Bäume am Rande des Platzes als Schattenspender zu erhalten.
Derzeit wird an einem Technikgebäude gearbeitet, in dem auch eine öffentliche Toilette mit Wickeltisch vorgesehen ist. Hinninger hatte beim Baubeginn im April vergangenen Jahres angekündigt, der neue Park werde mehr Frischluft ins Quartier bringen und verbesserte damit das Mikroklima. Die Bürgermeisterin geht weiterhin davon aus, dass es mit seiner Hilfe gelingt, die Umgebungstemperaturen im Sommer um bis zu fünf Grad zu senken.
Insgesamt werden etwa 7,6 Millionen Euro in den Umbau des Platzes investiert, und es ist gelungen, rund 660.000 Euro als Fördergelder von Bund und Land einzuwerben. Nach Angaben von Peddinghaus bewegt sich das Projekt weiterhin im Kostenrahmen, obwohl vor den Baumpflanzungen an der Klarenthaler Straße sogenannte Splitterschutzgräben aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden waren. „Der Kampfmittelräumdienst des Regierungspräsidiums Darmstadt forderte, dass die Gänge komplett geräumt werden, um auszuschließen, dass sich unter den Bodenplatten noch Blindgänger befinden“, sagte Peddinghaus. Diese knapp acht Wochen dauernden Arbeiten kosteten etwa 150.000 Euro.
Der Elsässer Platz wurde in den vergangenen Jahrzehnten insbesondere von den Anwohnern im äußeren Westend überwiegend als Parkplatz genutzt, da der Parkdruck in dem innerstädtischen Quartier hoch ist. Er war auch Festplatz für den Andreasmarkt, der jedoch seit einigen Jahren nicht mehr veranstaltet wird. Das dort ebenfalls beheimatete Frühlingsfest ist vorerst auf eine Brache an der Mainzer Straße umgezogen.
Kritik hatte es in der Vergangenheit am Wegfall der Parkplätze gegeben. Um dies zu kompensieren, wurde ein Parkhaus als Quartiersgarage mit rund 430 Stellplätzen gebaut, die aber nicht mehr unentgeltlich genutzt werden können. Ein Teil des Platzes bleibt weiterhin ein Parkplatz, aber ebenfalls nicht mehr ohne Gebühr. Der neue Park ist nach Hinningers Worten für den Bundespreis „Blauer Kompass“ nominiert. Der Preis soll Vorhaben würdigen, die beispielhaft zeigen, wie die Anpassung an den Klimawandel gelingen kann.
