
„Wo sind die denn alle, Papa?“ Ein Junge schaut auf die unbewegte Wasseroberfläche des Pinguinbeckens im Frankfurter Zoo. „Weggeflogen“, sagt der Angesprochene. Doch der etwa Zwölfjährige lässt sich nicht so leicht aufs Glatteis führen. „Die können gar nicht fliegen!“ Gegen so viel Sachverstand ist der Vater machtlos. Als sich im Becken immer noch nichts tut, zieht er mit dem Jungen weiter in Richtung Robben-Pool.
Ein Sommermorgen, kurz vor elf. Das Pinguingewässer wirkt verwaist. „Heute keine Schaufütterung“ heißt es auf einem Hinweisschild. Immerhin: Fünf Humboldt-Pinguine präsentieren sich an Land, einer davon liegt flach auf einem Felsen und beobachtet scheinbar die Wolken. „Guck mal, da chillt einer“, sagt ein Junge im Kindergartenalter zu seiner Freundin.
Grumpy macht seinem Namen Ehre
Der Pinguin heißt Grumpy, wie sich auf einem Band an seinem linken Flügel lesen lässt, und er macht seinem Namen alle Ehre. Missmutig watschelt er an seinen Artgenossen vorbei zwischen zwei großen Steinen hindurch. Dann verschwindet er in der Bruthöhle. Dort, geschützt vor der Sonne, legen Humboldt-Pinguine ihre Eier ab. An ihren Heimatküsten in Chile und Peru brennt die Sonne oft unerbittlich. Aber heute bleibt der Himmel grau.
Der Rest der Kolonie lässt sich lange nicht blicken. Dann plötzlich, von einem Moment auf den anderen, ist das Becken voll. Dreizehn der Schwimmvögel kehren von einem Tauchgang zurück. Auch auf der anderen Seite des Geländers tut sich etwas. Rund 20 Menschen, hauptsächlich Kinder, versammeln sich dort und versuchen, die Tiere mit Zurufen aufzumuntern.
Hugo, einer der Angerufenen, legt den Kopf in den Nacken und schreit. Auf diese Weise markierten Pinguine ihr Revier, heißt es auf einer Infotafel am Geländer. Gemeinsames „Trompeten“ hingegen diene der Paarbindung. Hugo schreit allein, er ist wohl Single.
Als hätten sie sich abgesprochen, legt die Gruppe unvermittelt los: Die Meeresjäger schwimmen, drehen sich, springen und tanzen durch das Wasser. Die Kinder feuern sie an. „Schneller!“ Hugo zieht in Rückenlage durch die Fluten und hält dabei Blickkontakt mit seinem Publikum – ein Showmaster seines Fachs.
Nur zwei Pinguin-Damen bleiben abseits und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Martha und Inge treiben seelenruhig dahin, die Köpfe unter Wasser. Sie suchen wohl nach Futter. Ihre stromlinienförmigen Körper ermöglichen eine energiesparende Fischjagd. Im Zoo müssen sich die Pinguine aber nicht anstrengen. Gefüttert wird hier von Hand. Jedes Tier bekommt täglich rund acht Heringe.
Fünf Minuten dauert die spontane Showeinlage, dann kommt eine Pflegerin und reinigt die Steinflächen rund um das Becken. Das ist den Pinguinen nun doch zu aufdringlich, deshalb verschwindet die ganze Truppe in einen abgelegenen Bereich des Geheges. Jetzt ist es wieder still. Das Publikum wandert weiter, zu den nächsten Unterhaltungskünstlern.
