Wer an heißen Tagen nach einem kühlen und gleichzeitig aufregenden Ort sucht, ist in Kubach richtig. Genauer gesagt: in der Kristallhöhle des Weilburger Stadtteils Kubach. Unten herrschen neun Grad, und zwar das gesamte Jahr über. Dieser Umstand ist schon ein Grund für sich, um die Kristallhöhle zu besuchen. Denn im Winter sind neun Grad ebenso angenehm wie im Sommer, wenn oben die Sonne hämmert. Der Ort ist aus dem Frankfurter Raum wie aus Gießen und Limburg gut zu erreichen. Die Entdeckung der einzigen Calcitkristallhöhle in Deutschland ist einem Zufall zu verdanken.
An einem Tag klopft ein Bergmann gegen die Wand aus allerlei Gestein vor seiner Nase. Nach einem Schlag mit dem Hammer stürzt die Wand ein und gibt einen Hohlraum frei. Der Bergmann blickt hinein. Handelt es sich um eine Tropfsteinhöhle? Diese Frage hält den Arbeiter und seine Kollegen, vor allem aber seinen Arbeitgeber, nicht lange auf. Sie sehen bald: In diesem Hohlraum gibt es für sie keine Erze zu holen, die sie im Tagebau unweit von Weilburg fördern. Sie schütten die Höhle zu und graben anderswo weiter.
Kubach birgt die einzige Calcitkristallhöhle Deutschlands
Dies ereignete sich in der Kaiserzeit. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 lag nur ein paar Jahre zurück, der Kaiser regierte Deutschland mit Otto Fürst von Bismarck als Kanzler. Fast ein Jahrhundert kümmert sich niemand um die Entdeckung des Bergmanns. Bis gut 90 Jahre danach ein Lehrer ein altes Haus im Örtchen Kubach erwirbt und ihn ein Handwerker auf das Geheimnis im Boden hinweist. Der Mann forscht nach, schaltet Wissenschaftler ein und erhält die Auskunft: Wenn Sie wissen wollen, was dort unten liegt, müssen Sie bohren lassen. Anders lässt sich der starke Kalkmantel im fraglichen Gebiet nicht knacken.

Was danach folgte, ermöglicht Besuchern faszinierende Einblicke in die regionale Erdgeschichte. Und zwar 65 Kilometer von Frankfurt und jeweils 30 Kilometer von Gießen und von Usingen entfernt in der höchsten Schauhöhle Deutschlands. Genau dies ist die Kubacher Kristallhöhle nahe Weilburg. Sie ist aus dem Frankfurter Raum am leichtesten über die Bundesstraße 456 zu erreichen, aus Gießen und Limburg über die B49. Die Eintrittskarten sollten schon deshalb über die Internetseite der Höhle gebucht werden, weil die Führungen oft ausgebucht sind. Zudem sparen Besucher einen Euro im Vergleich zum Preis an der Tageskasse, sofern sie dort überhaupt noch zum Zuge kommen.
Wer eine Karte hat, geht mit seiner Gruppe in den Helmraum und greift sich einen gelben Sicherheitshelm. Denn ohne diesen Schutz geht niemand hinab in die Höhle, zumal auf dem Weg nach unten eine Engstelle mit nur 1,50 Meter Höhe ist. Und wer mag sich schon vom Gestein schmerzhaft einen Scheitel ziehen lassen? Abwärts bis zum tiefsten erreichbaren Punkt in etwa 70 Meter Tiefe geht es über 460 Stufen, hinauf aber über 448 Stufen, wie der Höhlenführer sagt.
Von ihm erfahren die Besucher, dass die Höhle früher komplett mit saurem Wasser gefüllt war und regelrecht ausgewaschen wurde, weshalb zwar zwei „Ehepaar“ genannte Stalagmiten vom Boden der Höhle wachsen – und das mit einem Millimeter alle zehn Jahre –, die Höhle aber dennoch keine Tropfsteinhöhle ist. Der Vertreter des Trägervereins erklärt das Geheimnis von versteinerten Meerestieren im Gestein: „Damals lag Kubach noch am Äquator“ – und von Diez bis Gießen erstreckte sich ein Korallenriff. Ob die Dinosaurier es gekannt haben könnten, wissen Besucher nach der gut 45 Minuten währenden Führung ebenfalls.
Auf dem Weg nach unten tropft es immer wieder. Denn die von oben einströmende Luft kondensiert. Und zurück am Eingang ist das Rätsel der zwölf fehlenden Stufen auf dem Rückweg gelöst.
