Als der WM-Traum von Portugal und Cristiano Ronaldo geplatzt war, zog auch Trainer Roberto Martinez einen Schlussstrich. Der Chefcoach bestätigte das Ende seiner Amtszeit – und steht damit in einer langen Reihe von Nationaltrainern, die nach der Fußball-WM ihre bisherige Aufgabe los sind. Einige gingen im Guten, andere weniger – ein Überblick:
Ende mit Schrecken
Südkorea: Hong Myung-bo, der 2024 als Nationaltrainer auf Jürgen Klinsmann folgte, erhielt nach dem Scheitern in der Vorrunde sogar eine Morddrohung. Des Volkes Wut liegt wohl auch an Berichten, wonach die Ernennung des 57-Jährigen zum Chefcoach durch Vetternwirtschaft begünstigt worden sei. Am Montag trat jedenfalls auch Verbandspräsident Chung Mong-gyu zurück.
Niederlande: Für Ronald Koeman war das Aus im Sechzehntelfinale gegen Marokko sein letztes Spiel als Bondscoach, wie er keine 24 Stunden später erklärte. „Wir alle haben von einer Weltmeisterschaft geträumt, bei der wir Geschichte schreiben würden. Das ist nicht gelungen. Niemand ist darüber enttäuschter als ich“, schrieb er via Instagram.
Ghana: Im Sechzehntelfinale war gegen Kolumbien Schluss – und Coach Carlos Queiroz zog den Schlussstrich. Das Amt hatte der 73-Jährige erst im April nach einer Testspielniederlage in Deutschland von Otto Addo übernommen. So schaffte er es noch einmal zu einer WM, es war bereits seine Fünfte in Serie als Coach.
Portugal: Bei Portugals insgesamt enttäuschenden WM-Auftritten stand vor allem der 41 Jahre alte Cristiano Ronaldo im Fokus, nach dem Achtelfinal-Aus gegen Spanien ließ er die Frage nach einem Rücktritt zunächst offen. Nicht so Trainer Roberto Martinez. Er bestätigte das Ende seiner Amtszeit. Sein Nachfolger soll Berichten zufolge Jorge Jesus werden, mit dem Ronaldo bei Al-Nassr zuletzt die Meisterschaft in Saudi-Arabien geholt hatte.
Raus mit (zumindest ein bisschen) Applaus

Schottland: Unter Steve Clarke hatten sich die Schotten erstmals nach 28 Jahren wieder für eine WM qualifiziert. Besser ging es kaum noch – und wurde es auch nicht mehr. Vorrunden-Aus trotz trinkfester Fans. Seinen Spielern dankte der 62 Jahre alte Clarke in einem Offenen Brief. „Sie verdienen jedes Lob und jede Anerkennung, die ihnen entgegengebracht wird, und es war mir eine große Ehre, ihr Trainer zu sein.“
Jordanien: Der Marokkaner Jamal Sellami hat seinen Platz in der Historie des jordanischen Fußballs sicher – erstmals qualifizierte sich das Land unter seiner Führung für eine WM. Nach einer punktlosen Vorrunde ging es schnell wieder heim. Am Sonntag folgte die Trennung vom Trainer, der aber „ein geliebter Sohn“ bleibe, wie Verbandspräsident Prinz Ali bin Al Hussein herausstellte.
Rücktritte der Rücktritt-Verweigerer
Tschechien: „Ich habe einen Vertrag und ich gebe nie auf“, sagte Coach Miroslav Koubek unmittelbar nach dem WM-Vorrundenaus über einen möglichen Rücktritt. „Darüber denke ich nicht mal nach.“ Vier Tage später erklärte der 74-Jährige seinen Rücktritt. Schuld am Schlamassel sei die heimische Presse. „Zu meiner Entscheidung hat auch die Medienkampagne beigetragen, die auf einer Reihe von Halbwahrheiten und Erfindungen gegen meine Person beruhte“, schimpfte Koubek.
Aus mit Ansage
Uruguay: Schon vor dem Turnier hatte Marcelo Bielsa angekündigt, dass er nach der WM als Trainer Uruguays aufhören werde. Das Kapitel endete dann sieglos in der Vorrunde und mit einer denkwürdigen 100-Minuten-Pressekonferenz. „Wovon ich absolut überzeugt bin, ist, dass es niemanden interessiert, was ich weiß“, fasste der 70-Jährige die Malaise zusammen.
Frankreich: Ob mit WM-Pokal in der Hand oder ohne – für Didier Deschamps wird nach diesem Turnier und 14 Jahren als französischer Nationaltrainer Schluss sein. Als Nachfolger steht Zinédine Zidane bereit, sein weltmeisterlicher Mitspieler von 1998.
