
Ugo Foscolo: „An Zakynthos“
Die heiligen Gestade, die als Kind mich
behüteten, werd nie mehr ich betreten,
geliebtes Zakynthos, das in den Wogen
des Meers sich widerspiegelt, wo einst Venus,
aus Schaum erstanden, mit dem ersten Lächeln
dich und die Inseln ringsum fruchtbar machte,
weswegen deine Wolken, deine Zweige
die hohen Verse dessen ewig rühmen,
der diese schicksalhaften Wasser und Odysseus’
vielfältiges Exil und seine Heimkehr
ins felsenreiche Ithaka besungen.
Dir wird nichts anderes, o Muttererde,
als deines fernen Sohnes Singen bleiben;
mein Los will, dass ich unbeweint einst sterbe.
Aus dem Italienischen von Christoph Ferber
„A Zacinto“ (1802/3)
Né più mai toccherò le sacre sponde
ove il mio corpo fanciulletto giacque,
Zacinto mia, che te specchi nell’onde
del greco mar da cui vergine nacque
Venere, e fea quelle isole feconde
col suo primo sorriso, onde non tacque
le tue limpide nubi e le tue fronde
l’inclito verso di colui che l’acque
cantò fatali, ed il diverso esiglio
per cui bello di fama e di sventura
baciò la sua petrosa Itaca Ulisse.
Tu non altro che il canto avrai del figlio,
o materna mia terra; a noi prescrisse
il fato illacrimata sepoltura.
Ugo Foscolo: „Sonette“. Italienisch – deutsch. Übersetzt von Christoph Ferber. Mit einem Nachwort von Georges Güntert. Edition Mevina Puorger, Zürich 2018. 42 S., geb., 22,– €.
Von Niklas Bender ist zuletzt erschienen: „König Saul“. Der missglückte Anfang und Europas religiöses Erbe. Eine Literaturgeschichte. Wallstein Verlag, Göttingen 2025. 492 S., geb., 49,– €.
Redaktion Hubert Spiegel
Gedichtlesung Thomas Huber
