In der Affäre um ein trotz kostspieliger Sanierung grün
verfärbtes Wasserbecken in Washington, D. C. hat ein Gericht in der US-Hauptstadt
Anklage gegen einen früheren Olympiateilnehmer erhoben. Laut Gerichtsunterlagen
wirft die Staatsanwaltschaft ihm Sachbeschädigung vor. Die Jury an dem Gericht habe die Anklage zugelassen und werte den Fall als Straftat,
teilte Generalstaatsanwältin Jeanine Pirro mit. Im Falle einer Verurteilung
drohen dem Angeklagten bis zu zehn Jahre Haft.
Das rund 600 Meter lange Becken gehört zu den Wahrzeichen
der US-Hauptstadt und liegt zwischen dem Lincoln Memorial und dem Washington
Monument. Größere Aufmerksamkeit erlangte der sogenannte Reflecting Pool in den
vergangenen Monaten, nachdem US-Präsident Donald Trump eine Renovierung im
Umfang von 14 Millionen Dollar veranlasst hatte. Trump wollte dem Becken einen
blauen Schimmer verleihen.
Wenige Tage nach dem Ende der Arbeiten färbten Algen
den Pool aber wieder grün. Trump behauptete daraufhin, die Verfärbung gehe auf Vandalismus
zurück. Bald darauf sagte er, Bundesbehörden hätten mehrere Menschen
festgenommen, die den Reflecting Pool beschädigt hätten. Trump drohte mit langjährigen Haftstrafen.
67-Jähriger wollte nach eigenen Angaben Pool-Beschichtung prüfen
Der nun angeklagte Mann aus Bethesda im Bundesstaat Maryland
hatte die USA dreimal im Kanuslalom bei Olympischen Spielen vertreten. Er besaß
früher eine Firma, die Verbundmaterialien für den Bau von Wasserfahrzeugen
herstellte. Seinen Angaben zufolge hatte er bei einer etwa 100 Kilometer langen
Fahrradtour einen Stopp an dem Becken eingelegt. Der Nachrichtenagentur AP sagte
der 67-Jährige, er habe ins Wasser gelangt, um die neue Beschichtung des
Beckens zu prüfen. Er habe sofort losgelassen, als ihn ein Parkmitarbeiter dazu
aufgefordert habe. Von Soldaten der Nationalgarde und der Parkpolizei sei er
nach dem Vorfall fünf Stunden lang festgehalten worden, sagte er der AP.
Trump steht unter Erklärungsdruck, warum das von ihm angestoßene
Renovierungsprojekt nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hat. Der
US-Präsident hatte für den 250. Unabhängigkeitstag am Samstag ein blaues
Wasserbecken versprochen. Auch die hohen Kosten des Projekts und die Auftragsvergabe
ohne Ausschreibung stehen angesichts der Verfärbung in der Kritik.
