
Es ist nicht so, dass in den ersten Monaten des Jahres in Frankfurt keine Büros vermietet wurden. So verlegt zum Beispiel die Managementberatung d-fine ihre Büros an der Hauptwache um rund 200 Meter und bezieht gut 5000 Quadratmeter im ehemaligen Esprit-Haus an der Zeil, das derzeit modernisiert wird. In einer ähnlichen Größenordnung bewegt sich der Abschluss in der ikonischen Immobilie The Squaire über den ICE-Bahnhof am Flughafen. Dort hat Fraport rund 6000 Quadratmeter gemietet.
Größere Anmietungen allerdings fehlten im ersten Halbjahr. Der einzige Abschluss mit mehr als 10.000 Quadratmeter Fläche geht auf das Konto der DZ Bank, die neben ihrem Hochhaus an der Mainzer Landstraße ein weiteres Gebäude nutzen wird. Und so steht in den Bilanzen, die Makler am Mittwoch veröffentlicht haben, unter dem Strich ein dickes Minus. Nach Angaben von NAI Apollo wurden zwischen Januar und Juni in Frankfurt rund 150.000 Quadratmeter Bürofläche vermietet, etwa 57 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2025. Das Maklernetzwerk German Property Partners (GPP) spricht von einem Rückgang um 53 Prozent.
Frankfurt schlechter als Berlin und München
2025 hatten die Großanmietungen der Commerzbank im Central Business Tower und der ING im Hafenparkquartier die Umsätze steigen lassen. Aber auch wenn man das langjährige Mittel betrachtet, fällt die Bilanz des ersten Halbjahres 2026 in Frankfurt unterdurchschnittlich aus. Zumindest in zwei deutschen Städten zeigt der Trend in die entgegengesetzte Richtung: GPP weist für Berlin ein Umsatzplus von 52 Prozent aus, in München wurden 34 Prozent mehr Büros vermietet. Hamburg verzeichnet zwar einen Rückgang, doch fällt das Minus mit 14 Prozent niedriger aus als in Frankfurt. Dadurch ist die Mainmetropole bei den Bürovermietungen auf den vierten Platz hinter Berlin, München und Hamburg gerutscht.
Das schlechte Frankfurter Ergebnis ist nach Einschätzung von Martin Angersbach von NAI Apollo nicht mit der fehlenden Nachfrage zu begründen. Denn die Spitzenmiete sei in den vergangenen Monaten um 1,70 Euro auf jetzt 55 Euro je Quadratmeter gestiegen. „Die Nutzernachfrage ist trotz Zurückhaltung weiterhin vorhanden und in Teilen zahlungskräftig.“ Sie konzentriere sich aber auf moderne Premiumflächen in zentraler Lage. Mangels passender Angebote in diesem Segment könne die Nachfrage nicht immer bedient werden. Daran wird sich nach Einschätzung der Makler so schnell nichts ändern. In den nächsten Jahren kämen nur wenige Neubauflächen auf den Markt, und von diesen sei ein großer Teil bereits vermietet.
Gleichzeitig hat sich der Büroleerstand auf 1,32 Millionen Quadratmeter erhöht. Derzeit gibt es für 11,6 Prozent der Frankfurter Bürofläche keine dauerhafte Nutzung. Marktfähig sind sie nach Einschätzung von NAI Apollo nur, wenn die Eigentümer investieren. „Bleiben entsprechende Investitionen aus, dürften ältere Bestandsobjekte auch in den Toplagen zunehmend an Vermietbarkeit verlieren“, sagt Angersbach.
