
Als er am Ende der Veranstaltung zwischen den Chefs von Samsung Electronics und SK Hynix auf der Bühne steht, ist der südkoreanische Präsident Lee Jae-myung ganz ergriffen. Lee Jae-yong von Samsung und Chey Tae-won von SK seien zwei echte Helden, die mit ihren Chipkonzernen Großes für Südkorea leisteten, sagt Lee, und führt die Hände der beiden zusammen. „Dies ist ein sehr bewegender Moment, er könnte die Geschichte von Südkorea neu schreiben.“
Mit einer Art nationaler Kraftanstrengung will Lee gemeinsam mit den großen Konzernen des Landes dafür sorgen, dass Südkorea seine gute Stellung am Speicherchipmarkt zu einer vorherrschenden Stellung im KI-Zeitalter ausbauen kann. Mit drei „Mega-Projekten“ und Investitionen, die sich auf umgerechnet rund eine Billion Euro summieren, will der Präsident die „Kernelemente der Künstlichen Intelligenz“ schneller als jedes andere Land sichern. „Halbleiter, physische KI und KI-Rechenzentren sind die dreifache Achse für unseren großen Sprung nach vorn“, sagte Lee, als er, einige Fachminister sowie die Konzernlenker Lee und Chey ihre Pläne am Montag im Blauen Haus in Seoul vorstellten. „Unser Ziel ist, Südkorea unersetzlich zu machen“, sagte Lee.
Ländliche Gegend soll zum neuen Chip-Zentrum werden
Samsung und SK Hynix sind die Nummer Eins und Zwei am internationalen Markt für Speicherchips und profitieren seit zwei Jahren enorm vom Aufschwung der Künstlichen Intelligenz. Beide Konzerne verzeichnen Rekordgewinne und haben in den vergangenen Wochen jeweils eine Börsenbewertung von umgerechnet mehr als einer Billion Dollar erreicht. Nun kündigten die beiden Konzerne den Bau von jeweils zwei neuen Chipfabriken an, für die insgesamt 800 Billionen Won (450 Milliarden Euro) investiert werden sollen. Das Ziel ist, die koreanische Chipproduktion innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln.
Um das weitere Wachstum der beiden Vorzeigeunternehmen zu erleichtern, soll der bislang eher ländlich geprägte Südwesten Südkoreas in ein neues Produktionszentrum für fortschrittliche Halbleiter umgewandelt werden. Allein in die Stadt Gwangju und die Provinz Süd-Jeolla, die zu einer neuen „Special City“ zusammengeführt werden sollen, sollen dafür mehrere Billionen Won fließen. Unter anderem solle die Region, die etwa 230 Kilometer von der Hauptstadt Seoul entfernt liegt, mit Hochgeschwindigkeitszügen erschlossen werden. Zudem sollen dort Universitäten und Forschungszentren entstehen. Das Projekt erinnert an den Science Park im taiwanischen Hsinchu, wo rund um den Chipkonzern TSMC ein ganzes Halbleiter-Ökosystem entstanden ist.
„Die Weltwirtschaft wird neu geformt“
Die koreanischen Pläne sollen auch die starke wirtschaftliche Konzentration auf den Großraum der Hauptstadt Seoul abmildern. Die Opposition warf Lee vor, dass er den Südwesten nur als Standort gewählt habe, weil dort seine linksgerichtete Demokratische Partei besonders stark vertreten ist. Lee betonte dagegen, dass eine Alternative zu der immer teurer werdenden Hauptstadtregion nötig gewesen sei und es im Südwesten unter anderem ausreichend Wasser für mehrere Chipfabriken gebe und auch ausreichend Platz, um deren Stromversorgung zu sichern.
„Derzeit befinden wir uns wirklich in einem entscheidenden Moment, da die Landschaft der Weltwirtschaft neu geformt wird“, sagte der Präsident. „Große Länder, darunter die USA und China, befinden sich in einem umfassenden Wettbewerb mit enormen Einsätzen.“ Südkorea könne nur durch die Zusammenarbeit zwischen Privatwirtschaft und öffentlichem Sektor auf einen Sieg hoffen.
„Daten sind das Blut, Datenzentren das Herz der Weltwirtschaft“
Neben den Chipfabriken will die Regierung auch den Bau von KI-Rechenzentren vorantreiben. Insgesamt sollten 550 Billionen Won (310 Milliarden Euro) in solche Datencenter gesteckt werden, unter anderem durch den koreanischen Internetkonzern Naver. Bis zum Jahr 2029 wolle man KI-Rechenzentrumskapazitäten von 8,4 Gigawatt aufbauen. Zum Vergleich. Die Bundesregierung plant aktuell, die KI-Rechenleistung in Deutschland bis zum Jahr 2030 auf zwei Gigawatt zu erhöhen.
Südkoreas Forschungsminister Bae Kyung-hoon verdeutlichte, wie wichtig eine führende Stellung in der KI-Rechenleistung sei: „In der KI-Ära seien die Daten das Blut und die Datenzentren so etwas wie das Herz der Weltwirtschaft“. In Zukunft sollten die koreanischen Chipkonzerne nicht mehr nur ausländische Kunden mit Halbleitern versorgen, damit diese sie in Rechenzentren verbauen können. Korea selbst wolle nun selbst zum Abnehmer werden. Die KI-Rechenzentren sollten dann Intelligenz erschaffen und diese Intelligenz dann zum neuen Exportgut aus Korea, sagte Lee.
Mit Blick auf physische KI sagte Lee, die Zeit sei sehr knapp, um bei KI-Robotern und Humanoiden nicht von den Vereinigten Staaten und China abgehängt zu werden. Die nächsten drei Jahre seien eine „Goldene Zeit“, in der Südkorea noch zu einem „Powerhouse“ in dieser strategisch wichtigen Industrie werden könne.
