
Mehr als einen Monat hat es Fachleuten zufolge von dem jüngsten Ausbruch des Ebolavirus bis zur Identifizierung gebraucht. Mitte Mai wurde die seltene Variante des Typs Bundibugyo in der Demokratischen Republik Kongo bestätigt. Wenige Tage später rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Gesundheitsnotstand aus. Seitdem haben sich mehr als 1100 Menschen angesteckt, mehr als 300 haben nicht überlebt.
Die Umstände des Ebola-Ausbruchs sind dabei besonders fatal: In der Ituri-Provinz im Osten Kongos kämpfen M23-Rebellen gegen die kongolesische Armee, es gibt eine Million Binnenflüchtlinge, die in Camps mit schlechten Hygienestandards auf engem Raum leben – und das Virus trifft auf ein stark geschwächtes globales Gesundheitssystem. 2025 und auch schon in den Jahren zuvor sparten einige Regierungen bei der internationalen Gesundheitszusammenarbeit im Zuge der Budgetkürzungen für die Entwicklungszusammenarbeit.
US-Präsident Donald Trump zerschlug nach seinem Amtsantritt die Entwicklungsbehörde USAID, die insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent Gesundheitssysteme und Präventionsprogramme am Laufen gehalten hatte. Einige Programme wurden daraufhin gestoppt, auch wenn andere über das US-Außenministerium weiterlaufen. Seit dem jüngsten Ebola-Ausbruch in Kongo werden diese Kürzungen von Beobachtern für das Ausmaß der Gesundheitskrise verantwortlich gemacht – die Infektionen hätten früher identifiziert und internationale Helfer schneller mobilisiert werden können, so die Lesart.
Eine geschwächte lokale Gesundheitsstruktur
Das „International Rescue Committee“ (IRC) teilte schon Ende Mai mit: „Geschwächte Systeme zur Krankheitsüberwachung infolge massiver Hilfskürzungen im Osten der Demokratischen Republik Kongo tragen zur raschen Ausbreitung des jüngsten Ebola-Ausbruchs bei.“ Die US-Regierung habe vor 2025 wichtige Gesundheits- und Vorsorgeprogramme etwa zur Krankheitsüberwachung im Osten Kongos finanziert, ein Großteil sei im März 2025 jedoch eingestellt worden. „Infolgedessen musste IRC die Programmarbeit in der Provinz Ituri, wo der aktuelle Ausbruch seinen Ursprung hat, von fünf auf lediglich zwei Gesundheitsgebiete reduzieren.“
Christoph Benn, Direktor am Joep Lange Institute for Global Health Diplomacy und Mitgründer des Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria, sagt, der Ausbruch des Ebolavirus wäre auch in einem starken Gesundheitssystem unvermeidbar gewesen. Auf welchen Faktor man aber Einfluss habe, sei die Reaktion auf den Ausbruch. „Dafür braucht es natürlich eine gewisse Basisinfrastruktur“, so Benn. Dabei gehe es nicht um „tolle Krankenhäuser“, sondern um lokale Helfer. Kongo sei dabei eines der schwächsten Glieder.
Wichtig sei, dass man auf vorhandene Strukturen aufbauen könne, so Benn. Gerade diese lokalen Strukturen würden jedoch durch die Mittelkürzungen stark geschwächt. „Wenn es zu Umbrüchen kommt, wie es auch jetzt durch die Zerstörung von USAID natürlich der Fall war, dann sind diese Systeme geschwächt, und dann kann so ein Virus direkt sozusagen davon profitieren.“ Der Gesundheitsexperte nennt als Beispiel US-Programme in Uganda, einem Nachbarland Kongos, das ebenfalls von dem jüngsten Ebola-Ausbruch betroffen ist. Dort habe Washington das lokale Gesundheitssystem zuvor weitgehend unterstützt – „und das ist zusammengebrochen, alles“. „Kliniken haben von einem Tag auf den anderen geschlossen, nachdem die USA sich zurückgezogen haben aus USAID, aber auch PEPFAR, dem AIDS-Programm.“ Ugandas Regierung habe nicht schnell genug einspringen können.
Unsichtbare Präventionsarbeit
Auch Katja Roll, Direktorin am Forschungszentrum „Coalition for Epidemic Preparedness Inovations“, hebt im Gespräch die schnelle Reaktionsfähigkeit im Kampf gegen Epidemien hervor. „Was häufig besprochen wurde nach Covid und was sicherlich eine ungelöste Frage ist, ist das Thema, wie man quasi vor die Welle kommt“, sagt sie. Investitionen in die Epidemievorsorge, also in die Prävention, seien jedoch nicht sichtbar. „Wenn die Prävention funktioniert, dann gibt es keine Krisensituation.“ Doch gerade hier, bei dem nicht direkt sichtbaren, würden Regierungen unter Spardruck nicht nur keine zusätzlichen Mittel mehr mobilisieren, sondern sogar kürzen.
Einige Länder haben seit dem jüngsten Ebola-Ausbruch Gelder zur Eindämmung des Virus in Kongo und Uganda zur Verfügung gestellt. „Was wir jetzt sehen, ist wieder eine aktuelle Krisensituation, und es wird in der Krise mobilisiert“, sagt auch Roll. Doch es müssten darüber hinaus eigentlich Milliarden Euro zur Pandemieprävention investiert werden. „Da ist die Welt völlig unvorbereitet.“ Wenn morgen eine neue Covid-Pandemie ausbrechen würde, werde man ähnlich dastehen wie Anfang 2020, meint sie.
Deutschland gilt nicht erst seit dem Rückzug der USA als Vorreiter in der internationalen Gesundheitszusammenarbeit. Für zahlreiche Länder und Organisationen ist Berlin nun der größte und damit wichtigste Geldgeber. Jedoch musste die Bundesregierung bereits in den vergangenen Jahren beim Entwicklungsbudget stark kürzen, für 2027 sieht der Haushaltsentwurf weitere Einschnitte vor.
Wo genau das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Hunderte Millionen Euro einsparen will, bleibt weiterhin unklar; ein Reformprozess wurde erst angestoßen. In dem Strategiepapier dazu steht lediglich, dass das BMZ „sein Engagement vor allem multilateral“ im Gesundheitsbereich umsetzen will. Und: „Die bilaterale Zusammenarbeit mit einzelnen Partnerländern im Gesundheitssektor wird grundsätzlich beendet.“
