
Pünktlich zur Hitzewelle hat der Bürgermeister von Paris die Badesaison eröffnet. Noch ist es nicht möglich, mit Blick auf den Eiffelturm in der Seine zu schwimmen. Aber im Canal Saint-Martin im Osten der Hauptstadt ist ein etwa 100 Meter langer Abschnitt freigegeben – während der heißesten Stunden von 16 bis 20 Uhr. Die freie Nutzung von Flüssen, wie Schwimmer sie etwa in München an der Isar und in Bern an der Aare kennen, ist der Pariser Stadtverwaltung nicht geheuer.
Bürgermeister Emmanuel Grégoire gestand ein, dass der Kanalabschnitt frühzeitig geöffnet wurde, um das „wilde Baden“ im Canal Saint-Martin zu unterbinden. „Es ist besser, sichere Bademöglichkeiten an einem von uns hergerichteten Ort, dem Bassin des Récollets, anzubieten, als dass die Menschen an gefährlichen Stellen ins Wasser springen“, sagte er. Die Wasserqualität sei stabil, es gebe weniger Verschmutzungsquellen als in einem natürlichen Gewässer wie der Seine.
Nachahmer im Großraum von Paris
Das Baden im Seine-Fluss ist das sichtbarste Erbe der Olympischen Sommerspiele 2024. Vom 4. Juli bis zum 30. August können Hauptstadtbewohner und Touristen wieder an drei Stellen in der Seine baden. Eine der drei Badestellen wurde weiter flussabwärts verlegt, unterhalb der Louis-Philippe-Brücke, um weniger vom Schiffsverkehr abhängig zu sein. Etliche Bezirksbürgermeister werben dafür, eine vierte Badestelle zu eröffnen. Die Naturschwimmbäder im Fluss werden mit schwimmenden Zäunen abgegrenzt und von Bademeistern überwacht.
Paris hat Nachahmer im Großraum gefunden. Entlang des Marne-Flusses werden an diesem Samstag zwei Badeplätze eröffnet. Bürgermeister Grégoire sieht eine kleine kulturelle Revolution am Werke: Flüsse gelten nicht länger nur als Wasserstraßen, sondern als urbane Erholungsräume im Herzen der Städte. Die Verbesserung der Wasserqualität der Seine hat mehr als 1,4 Milliarden Euro öffentliche Investitionen verschlungen. An den Badestellen wird die Wasserqualität nun ständig überprüft. Sobald sie sich verschlechtert – etwa nach Regenfällen – wird der Badebetrieb vorübergehend eingestellt. In Lyon ist ebenfalls ein Naturbadeprojekt in Arbeit. In Bordeaux ist das Projekt einer Badezone im Garonne-Fluss noch nicht vorangekommen.
