
Im Tagesgeschäft bedient er Fusionsberater und Immobilienerwerber – jetzt ist der Datenraumanbieter Drooms selbst Objekt einer Übernahme. Der Finanzinvestor Eos Partners erwirbt eine Mehrheit an der Gesellschaft, wie Drooms’ Vorstandsvorsitzender und Ko-Gründer Alexandre Grellier und Eos-Partner Philipp Wegener der F.A.Z. sagten. 70 Prozent des Geschäfts entfallen auf Immobilientransaktionen, 30 Prozent auf Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A). In Verkaufsprozessen erhalten Interessenten Zugang zu Datenräumen, welche die Fakten für die vertiefte Unternehmensprüfung liefern und damit am Ende auch für den Kaufpreis.
Heutzutage sind virtuelle Datenräume die Norm. Im M&A-Geschäft gehören die amerikanischen Gesellschaften Intralinks und Datasite zu den führenden Datenraumanbietern. Die 2001 gegründete Drooms hält als europäischer Aufsteiger dagegen. In Finanzkreisen wird berichtet, das Unternehmen werde in der anstehenden Transaktion mit 100 bis 200 Millionen Euro bewertet. Die beiden Manager wollten sich dazu nicht äußern.
Server in Europa
Drooms gehört momentan Grellier, dem Mitgründer Jan Hoffmeister und der Beteiligungsholding J.F. Müller & Sohn AG. Letztere zwei geben im Zuge der Transaktion ihre Anteile an Eos ab. Grellier bleibt Minderheitseigner und Vorstandschef, während Hoffmeister das Unternehmen verlässt. Drooms’ Kunden kommen aus der Industrie, der Finanz- und der Immobilienwirtschaft. Die Kundenliste reicht vom Flughafenbetreiber Fraport über den Autohersteller Mercedes-Benz bis zum Chemiekonzern Evonik, unter den Banken von J.P. Morgan bis BNP Paribas, im Immobiliensektor von JLL bis CBRE. Drooms hat für das Vorhaben den Fusionsberater Stifel mandatiert, Eos verzichtet auf eine Investmentbank.
Drooms wirbt für sich mit einer eigenen Künstlichen Intelligenz (KI), dem „Made in Germany“-Prädikat und damit, dass die Server in der EU stehen – in einer Zeit, in der die Sicherheit von Daten in den USA zunehmend angezweifelt wird. In den Datenräumen können Nutzer mit einem einheitlichen System Informationen strukturieren, schwärzen, übersetzen und austauschen. Als Anwendungsbeispiele werden Vermögensverwaltung und -verkauf, Gewerbeimmobilien, M&A und Kapitalbeschaffung genannt.
Unter der Ägide des neuen Eigners soll das Unternehmen aus eigener Kraft und mit Zukäufen wachsen. Drooms habe über 2700 langjährige Kunden im deutschsprachigen Raum, sagte Wegener, „was natürlich hochinteressant für uns als Investor ist, weil es keine Abhängigkeit von Einzelkunden gibt“. Von diesen Kunden seien mehr als 70 Prozent in der Immobilienwirtschaft angesiedelt.
Früher waren Datenräume physische Räume, in denen Dokumente wie Jahresabschlüsse, Finanzpläne und im Fall von Immobilien beispielsweise Grundbuchunterlagen gespeichert waren. Drooms war früh dabei in der Digitalisierung. Grellier hatte vor der Gründung des Unternehmens als Jurist bei der Commerzbank und Lehman Brothers gearbeitet. Wegener war ins M&A-Geschäft 2003 bei J.P. Morgan eingestiegen. „Da habe ich die ersten elektronischen Datenräume erleben dürfen“, sagte er. 2005 wechselte er in die Private-Equity-Branche, arbeitete bei den Beteiligungsgesellschaften EQT und Hg Capital. Im Jahr 2015 gründete Wegener Eos Partners. Der Finanzinvestor spezialisiert sich auf mittelständische und wachstumsstarke Unternehmen und konzentriert sich regional auf den deutschsprachigen Raum, investiert aber auch in Benelux und Nordeuropa.
