
Eric Martel kommt vom 1. FC Köln, Ransford Königsdörffer vom Hamburger SV: Mit zwei gestandenen Profis hat der FSV Mainz 05 seinen Bundesligakader für die neue Saison bereits verstärkt. Damit ist der Klub deutlich weiter als im Sommer vorigen Jahres; noch einmal wollen sie am Bruchweg die vor einem Jahr gemachten Fehler offenbar nicht wiederholen.
Damals verpflichteten die Rheinhessen lediglich einen Spieler, der seine Erstligatauglichkeit hinreichend nachgewiesen hatte: Benedict Hollerbach kam mit der Empfehlung von neun Saisontoren und für die Mainzer Rekordsumme von zehn Millionen Euro von Union Berlin. Das Problem: Bei den 05ern kam der Außenstürmer monatelang kaum zur Geltung, weil er die Mittelstürmerposition übernehmen musste, die seiner Spielweise nicht entgegenkommt. Statt mit Tempo auf eine Abwehr zuzulaufen, musste er immer wieder Bälle mit dem Rücken zum Tor annehmen und verarbeiten.
Eine undankbare Aufgabe für Hollerbach, der zu allem Überfluss Ende Januar einen Achillessehnenriss erlitt, doch sein neuer Verein hatte es versäumt, auf Jonathan Burkardts Wechsel zu Eintracht Frankfurt adäquat zu reagieren. Und die Hoffnung, der junge Nelson Weiper, einer aus dem eigenen Nachwuchs, könne die Lücke schließen, erwies sich aus mehreren Gründen als trügerisch.
Abhilfe schafften Sportvorstand Christian Heidel und Sportdirektor Niko Bungert erst im Winter. Der Mitte Dezember eingestiegene Trainer Urs Fischer konnte mit Phillip Tietz, Silas (allerdings nur bis zu dessen Schien- und Wadenbeinbruch Mitte März), Sheraldo Becker sowie dem aus Como ausgeliehenen Innenverteidiger Stefan Posch in die Rückrunde gehen. Das Ergebnis ist bekannt, die dritte Aufholjagd binnen fünf Jahren führte die vor Weihnachten als Absteiger gehandelten Mainzer als fünftbeste Rückrundenmannschaft auf den zehnten Tabellenplatz.
Neuzugänge kosten keine Ablöse
Was die jetzt getätigten Transfers ebenfalls besonders macht: Weder für Martel noch für Königsdörffer wurde eine Ablöse fällig, beider Verträge liefen aus, die Spieler konnten sich uneingeschränkt nach einem neuen Arbeitgeber umschauen. Königsdörffer, 24, gebürtiger Berliner und ghanaischer Nationalspieler, zeigte sich nach vier Jahren beim HSV laut einer Vereinsmitteilung nach den Gesprächen mit Trainer und Managern von deren Plan überzeugt. Der gleichaltrige Martel, aus der Jugend von RB Leipzig hervorgegangen, war in den zurückliegenden vier Spielzeiten für die Kölner tätig und sieht Mainz als den „nächsten, richtigen Schritt“ in seiner Karriere.
Die Verpflichtung des Sechsers, der auch in der Innenverteidigung einsetzbar ist, könnte im Vorgriff auf einen nicht ganz unwahrscheinlichen Abgang Kaishu Sanos erfolgt sein. Der Japaner hat unter Fischer an seine Leistungen aus der vorigen Saison angeknüpft und eine überragende Rückrunde gespielt. Sollte Sano bei der Weltmeisterschaft ähnlich performen, dürften den Mainzern Angebote anderer Klubs in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe ins Haus flattern. Angesichts des noch bis 2028 laufenden Vertrags gilt zwar wie immer in solchen Fällen Heidels Grundsatz „wir entscheiden“ – bei einer Summe von 50 Millionen oder mehr aber dürfte die Entscheidung für einen Verkauf fallen.
Ransford Königsdörffer wiederum nimmt zunächst mal den Kaderplatz ein, den der nach zweijähriger Leihe nicht weiterverpflichtete Armindo Sieb frei gemacht hat. „Mit seiner Spielweise wird er sehr gut in unsere Offensive passen“, sagt Bungert über den schnellen und physisch starken Angreifer.
Wie plant der Klub mit Weiper?
Offen ist, was der Verein mit Weiper vorhat. Mit seinen Kapriolen zu Saisonbeginn um die Verlängerung seines nur bis Ende Juni laufenden Kontrakts hatte sich der U-21-Nationalspieler selbst ins Abseits befördert – und aus dem kam er bis zum letzten Spieltag nur sporadisch heraus. Die Winterzugänge taten ein Übriges, um die Einsatzzeiten des Stürmers sehr bescheiden zu halten. Die wenigen Chancen, die er erhielt, vermochte er nicht zu nutzen.
Die Konkurrenz im Angriff wird allem Anschein nach nicht kleiner werden, daher wäre es vielleicht sinnvoll, den Einundzwanzigjährigen in der Hoffnung auf mehr Spielpraxis an einen Zweitligaklub zu verleihen, dass er dort eine ähnliche Entwicklung nehmen wird wie Mannschaftskamerad Paul Nebel in den beiden Jahren beim Karlsruher SC.
Und dann ist da noch Nadiem Amiri, dessen Situation und Aussagen jenen der zurückliegenden beiden Jahre ähneln. Damals wie heute rankten sich diverse Wechselgerüchte um den unter Fischer vom Doppelsechser zum linken Achter umfunktionierten Spielmacher. Seine Antworten auf die Frage nach einem Verbleib lauteten in der Regel: „Ich weiß es nicht.“ Die Entscheidung dürfte nach der Weltmeisterschaft fallen.
