Wenn schöne Räume zu den Bedingungen zählen, die Gastronomen den Start und vor allem das Durchhalten erleichtern: Dann müsste die alte Luisenapotheke in einem Altbau-Eckhaus im Frankfurter Nordend eigentlich eine sichere Bank sein. So einfach ist es aber nicht.
2013 richtete, wo einmal Medikamente verkauft wurden, eine Quereinsteigerin eine Weinbar ein, sie behielt die deckenhohen Apothekenschränke, möblierte im Flohmarkt-Stil, das hatte viel Charme. 2022 übernahmen Matthias Noori und Christian Heinenbruch das Lokal, zwei junge Gastronomen mit hohem Anspruch. Sie verpassten dem Interieur ein schickes Upgrade, nannten den Betrieb „Hohenheim & Söhne“ und machten ihren Gästen ein ausschließlich veganes Angebot. Das Essen war hervorragend, drei Jahre lang hatten die Freunde rein pflanzlicher Speisen in diesem Restaurant eine Topanlaufstelle. Vor einigen Monaten haben andere das Restaurant übernommen. Wieder sind es junge Leute, die sich erstmals selbständig gemacht haben, der Ort heißt jetzt „Daisy“.
Inhaberin und Küchenchefin Melanie Schnadt Eickert knüpft an das Konzept der Vorgänger an, mit einem veganen und einem vegetarischen Menü. Dass sie mit dem Lokal eine Mission verbinde, auf größtmögliche Regionalität achte, in der Küche nicht mit Plastik arbeite, dass die Tischwäsche von einem kleinen deutschen Unternehmen stamme: Das und wie ihr Weg war von der Ausbildung im Hotel Intercontinental in Frankfurt bis zu diesem eigenen Lokal, erzählt Schnadt Eickert Gästen, die das erste Mal bei ihr sind, gerne und ausführlich. Es ist auch nichts dagegen einzuwenden. Noch schöner wäre es, wenn das Essen kulinarisch auf der Höhe dieser sympathischen Zurschaustellung wäre. Leider ist das nicht durchgängig so.
Schön, dass wieder Gemüse im Mittelpunkt steht
Im veganen Menü macht ein Karottentatar mit Aprikosen-Gel und Karottenchips den Anfang, im vegetarischen ein flambierter Ziegenkäsetaler mit Rhabarber obenauf. Daneben liegen Ravioli aus hauchfeinen Kohlrabischeiben, gefüllt mit Käse, und mit einer Hirsemasse gefüllte kleine Rouladen aus Rhabarberblättern, die Soße ist eine Rhabarberreduktion. In der vegetarischen Speisenfolge war das der beste Teller, neben dem sehr guten Dessert, bestehend aus einer abgeflämmten Apfelrose und Karamellparfait, gebettet auf karamellisiertem Blätterteig über einer Frischkäse-Kamillencreme.

Dazwischen sah es anders aus, bei einem Gang zum Beispiel, der als Lauch | Kartoffel | Ingwer | Chili annonciert war. Serviert wurde: eine mit Koriander, Kaffirlimettenblättern und Chili scharf gewürzte Lauchsuppe, in deren Mitte kalter, sehr säuerlicher Kartoffelsalat gesetzt war; eine dissonante Merkwürdigkeit, zu der noch gerösteter Lauch und Lauchblätter mit Chilimayonnaise gehörten.
Besser gelöst, wenn auch nicht überbordend kreativ, war die Kombination aus Gemüse und Kartoffeln im veganen Menü: In der Hauptsache bestand sie aus Kartoffelpüree und mariniertem Rotkohl, getürmt und umwickelt mit dehydrierten und gebackenen, spaghettidünnen Kartoffelstreifen. Schön anzusehen war die vegetarische Mürbteig-Spargeltarte mit Spargelsalat und etwas grünem und weißem Spargel dazu. Sehr schwer machte das eine dick auf den Teller gegossene Quasi-Béarnaise auf Basis von Sojamilch und Kartoffeln. Alles in allem bleibt der Eindruck, dass die Küche ihr Handwerk versteht und das Essen fotogen anzurichten vermag, ihr aber, von Süßspeisen abgesehen, die leichte Hand fehlt bei der Kombination von Aromen und Produkten (Dreigangmenüs 79 Euro, vier Gänge 89 Euro).
Fazit: Schön, dass hier wieder Gemüse im Mittelpunkt steht, es ist aber noch Luft nach oben.
„Daisy“, Rothschildallee 20 in Frankfurt. Telefon: 0 69/75 79 20 56. Öffnungszeiten: mittwochs bis samstags von 18 Uhr an.
