Im besten Einvernehmen sind die Frankfurter Eintracht und Adi Hütter im Jahr 2021 nicht auseinandergegangen. Als die Hessen damals noch aussichtsreich um einen Platz in der Champions League kämpften, wurde der Wechsel des Österreichers nach Rundenende zum Ligarivalen Borussia Mönchengladbach bekannt. Das Ende der Zusammenarbeit, die eine Ausstiegsklausel ermöglichte, war absehbar.
Das störte den Betriebsfrieden in der wichtigen Saisonphase erheblich, vor allem Hütters Arbeitsbeziehung zu Vorstandssprecher Axel Hellmann war dann belastet. Schließlich qualifizierte sich die Eintracht „nur“ für die Europa League, die Enttäuschung über die verpasste Chance erwies sich als dementsprechend groß. Zurück blieben Bitterkeit und Verärgerung. Trotzdem kehrt der heute 56 Jahre alte Fußballlehrer nun an den Main zurück – und das im Guten.
Mit neuer Harmonie und viel Vorfreude und Übereinstimmung auf beiden Seiten. Hütter bekommt in Frankfurt einen Dreijahresvertrag bis zum 1. Juli 2029, das gab die Eintracht am Sonntag bekannt. „Wir hatten einen sehr vertrauensvollen Austausch, in dem uns Adi neben seiner nachgewiesenen Expertise auch den Eindruck vermittelt hat, mit großer Lust und Leidenschaft mit der Eintracht noch einmal etwas bewegen zu wollen.“
So wurde Sportvorstand Markus Krösche in der Klubmitteilung zitiert. „Für mich ist es etwas ganz Besonderes und emotional, wieder Trainer der Eintracht zu sein. Die Zeit, die wir gemeinsam in Frankfurt hatten, hat mich geprägt und habe ich nie vergessen“. Mit diesen Worten gab sein neuer, alter Arbeitgeber den Fußballlehrer Hütter wieder.
Aussprache zwischen Hütter und Hellmann
Ihre Meinungsverschiedenheiten hatten Hütter und Hellmann längst in persönlichen Gesprächen ausgeräumt. Das Verhältnis ist wieder intakt. „Wir haben gewisse Dinge abgehakt und glattgezogen“, sagte Hellmann vor einiger Zeit. Hütetr hatte 2021 gesagt, dass sich beim Wechsel nach Gladbach ja nur Farben ändern würden. „Das war ganz klar ein großer Fehler“ – der Trainer, der reumütig klang, entschuldigte sich nun in einem Interview mit dem Verein für seine damalige Aussage. Die Voraussetzungen für einen Neuanfang ohne Vorbelastung – Markus Krösche war in der Saison 2020/2021 noch nicht in Frankfurt tätig – sind damit gegeben. Aus Sicht der Eintracht ist Hütter jetzt die bestmögliche Lösung für den Klub, hinter dem ein schwieriges Jahr mit dem Verpassen eines internationalen Wettbewerbs liegt.
Nach der kurzen und turbulenten Dienstzeit des spanischen Fußballlehrers Albert Riera mit allerhand Misstönen und Missverständnissen sehnen sich die Hessen nach Ruhe und Stabilität. Beides zu gewährleisten, trauen sie Hütter mit seiner Erfahrung und seinem Fachwissen zu. „Wir sind nach sehr guten Gesprächen überzeugt, dass wir die Eintracht gemeinsam weiterentwickeln können.“
Zudem sei es „ein Vorteil, dass Adi die Strukturen, das Umfeld und Personen im und um den Klub herum kennt und es keiner besonderen Eingewöhnungszeit bedarf“, betonte Krösche. Hütter, dessen erstes Beschäftigungsverhältnis in Frankfurt über einen Zeitraum von drei Jahren ging, wird jetzt einen zweiten Anlauf starten.
Seinen Weggang unter den damaligen Umständen betrachtet er offenbar als großen Fehler. „Rückblickend hatte ich immer das Gefühl, noch nicht fertig zu sein“, sagt Hütter nun. Mit der Eintracht war er jeweils in das Halbfinale der Europa League und des DFB-Pokals eingezogen.
Nach nur einer Saison in Gladbach wechselte Hütter Mitte 2023 nach Monaco, wo er dann im Oktober 2025 freigestellt wurde; mit seinem ehemaligen Arbeitgeber erreichte er zweimal die Champions League. Nach Frankfurt begleiten Hütter seine beiden Assistenztrainer Christian Peintinger und Klaus Schmidt.
Eintracht im Umbruch
Im Anschluss an den Abgang von Riera und dessen Vertrauten hatten die Hessen weitere Maßnahmen ergriffen. Sie trennten sich zudem von Assistenztrainer Jan Fießer und Athletiktrainer Martin Spohrer – nach Vereinsangaben jeweils in beiderseitigem Einvernehmen. Der ehemalige Cheftrainer Dino Toppmöller hatte mit Fießer an seiner Seite in der Runde 2024/25 zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte über die Bundesliga die Königsklasse erreicht. Spohrer wiederum war schon beim DFB-Pokalsieg 2018 sowie beim Gewinn der Europa League vier Jahre später mit dabei gewesen.
Nur im Hinblick auf das Geleistete in der abgelaufenen Spielzeit war Frankfurts Klubführung mit vielen Ergebnissen unzufrieden gewesen.
Sie sah auf vielen Ebenen dringenden Handlungsbedarf. Auch bei Adi Hütter haben die Frankfurter umgedacht. In der Vergangenheit gab es im Verein Vorbehalte, ein zurückliegendes Arbeitsverhältnis, das nicht frei von Störungen war, neu aufleben zu lassen. Zu viel könnte aus dieser Zeit hängen geblieben sein, um in Zukunft erfolgreich zu arbeiten. Bei Adi Hütter hingegen sieht die Klubführung heute mehr Chancen als Risiken. Mit ihm, findet sie, ergibt ein neuer Versuch Sinn.
Denn Hütter garantiert bei allen Unwägbarkeiten des Fußballgeschäfts ein gewisses Maß an Sicherheit und Berechenbarkeit. In vielen Dingen erfüllt der Österreicher genau die Anforderungen, die sich der Vorstand vom neuen, starken Mann wünscht. Hütter, der die Mannschaft in seiner ersten Eintracht-Zeit in 141 Pflichtspielen anleitete, kennt die Bundesliga bestens und spricht – im Gegensatz zu Riera – Deutsch. Der Österreicher verfolgt eine klare Linie; wenn nötig, agiert er mit harter Hand, um sich durchzusetzen. „Was Adi Hütter sagt, ist Gesetz“, erinnert sich Fußballprofi Timothy Chandler an die Zusammenarbeit. Eine von Krösches Erkenntnissen aus dieser Saison ist, dass der Mannschaft die Ordnung gefehlt habe. Sie wird Hütter, ein Trainer mit Profil, der neuen Mannschaft abverlangen, daran zweifelt niemand.
Wille, Ehrgeiz und Leidenschaft
„Adi Hütter steht für mutigen Offensivfußball, Klarheit und Disziplin“, sagt Krösche. „Er hat bei seinen Stationen gezeigt, dass er temporeichen Umschaltfußball mit Ballbesitz vereinen kann.“ In Frankfurt ließ der Österreicher aggressiven und attraktiven Pressingfußball spielen. Sein Team war mit Wille, Ehrgeiz und Leidenschaft bei der Sache. Vollgasfußball war angesagt. Dafür braucht Hütter die entsprechenden Spielertypen. Zu den Aufgaben von Markus Krösche gehört es daher, eine Mannschaft nach den Vorgaben des neuen Trainers zusammenzustellen.
Er freue sich, „die Gelegenheit zu haben, diese Aufgabe mit viel Arbeit, Disziplin und einem klaren Fokus angehen zu dürfen“, sagt Hütter. Trotz seiner Vorgeschichte in Frankfurt werden ihn viele Eintracht-Anhänger nach fünf Jahren mit offenen Armen empfangen. Das war mancher Umfrage in den Medien zu entnehmen. Aus ihrer Sicht steht der alte Bekannte nach einer schwierigen Saison für einen vielversprechenden Neuanfang.
