
Der Untergrund ist vorbereitet, bald können die Gebäude in die Höhe wachsen: Die Arbeiten für das neue Maintalbad kommen voran. Ein Jahrhundertprojekt für die Stadt zwischen Frankfurt und Hanau, denn sie investiert bis zu 45 Millionen Euro in ein neues Hallen- und Freibad. Das in einer Zeit, in der andere Kommunen ihre Einrichtungen schließen, weil Sanierung und Unterhalt sie finanziell überfordern.
700 Betonpfeiler haben die Arbeiter seit September in das Erdreich getrieben, um eine stabile Gründung für das Bad zu schaffen – der Main ist nah, der Boden herausfordernd. Seit dem Abriss des alten Maintalbads ist also einiges auf der Baustelle im Stadtteil Dörnigheim geschehen, von dem aber nichts mehr zu sehen ist: Mancher habe sich schon gefragt, ob es überhaupt vorangehe, sagt Bürgermeisterin Monika Böttcher. Das wird sich bald ändern: Jetzt beginnen die Arbeiten für Becken und Gebäude.
Investition von mehr als 40 Millionen Euro
Stand jetzt soll das neue Schwimmbad im nächsten Jahr öffnen, bis dahin sollen 41,5 Millionen Euro investiert worden sein. Für die gemessen an der Einwohnerzahl ehrgeizige Investition haben die Stadtverordneten noch einen finanziellen Puffer gelassen, aber mehr als 45 Millionen Euro darf das Bad nicht kosten. Dass die Stadt das Vorhaben überhaupt angegangen ist, begründet sich auch mit der Unterstützung des Bundes.
Sechs Millionen Euro, die maximal mögliche Summe aus dem entsprechenden Förderprogramm, werden aus Berlin an den Main überwiesen. In der Bundeshauptstadt weiß man um den Sanierungsstau in deutschen Schwimmbädern: Bei der symbolischen Grundsteinlegung verwies Sören Bartol (SPD), Staatssekretär im Bundesbauministerium, darauf, dass man 250 Millionen Euro gezielt für die Bädersanierung zur Verfügung stelle.
Deutschlands Schwimmbäder in der Krise
Gemessen am Gesamtbedarf aber ist das ein Tropfen auf den heißen Stein. Jens-Wilhelm Brand von der Projektbegleitungsgesellschaft Constrata verweist auf Zahlen der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen, in der sich die Betreiber von 6000 Schwimmbädern zusammengeschlossen haben. Bei einer Befragung habe die Gesellschaft einen Sanierungsstau in Höhe von 35 Milliarden Euro ermittelt, ein Fünftel der Bäder stehe vor der Schließung in den nächsten fünf Jahren.
Das zeigt, dass Maintal ein außergewöhnliches Projekt betreibt. Gebaut werden sechs Becken, unter anderem ein 25-Meter-Sportbecken, Plansch- und Sprungbecken im Freien und auch ein Lehrschwimmbecken in der Halle. Ein Clou wird das sogenannte Cabriodach. Das kann bei passendem Wetter zurückgefahren werden und so die Schwimmhalle zu einem Teil des Freibads werden lassen. Geplant sind auch Solaranlagen, mit denen ein großer Teil des Energiebedarfs der Anlage erzeugt werden soll. Die energetischen Anforderungen waren einer der wichtigsten Gründe, sich für einen Neubau und gegen eine Sanierung der alten Anlage zu entscheiden.
