
Die Grünen sind derzeit in einer komfortablen Situation: In CDU und CSU brodelt es vor Sorge um den Machterhalt. Die SPD arbeitet an ihrer Abschaffung. Die FDP wirkt auch nicht wie eine runderneuerte Partei. Wohin man auch blickt, im Kampf gegen den Vormarsch der Rechtspopulisten geht es nicht bergauf, sondern bergab, und das mitunter so schnell, dass es einem freien Fall gleicht.
Der Weg zu einem AfD-Ministerpräsidenten scheint da nicht mehr weit. Auch im Bund dürfte es für Union und SPD bald nicht mehr für eine Mehrheit reichen, jedenfalls nicht, wenn es bis zur nächsten Wahl so weitergeht. Und spätestens hier kommen die Grünen ins Spiel. An ihnen wird dann kein Weg mehr vorbeiführen.
„Einfach kein Scheiß“
Das hat auch damit zu tun, dass es ihrem Führungsduo Brantner und Banaszak gelungen ist, den Verlustschmerz, den der Abtritt Habecks in der Partei ausgelöst hat, weitestgehend zu beseitigen – jenseits der Partei hielt sich der Schmerz um Habecks Abgang ja sowieso in Grenzen, auf Baerbock muss man in diesem Zusammenhang gar nicht erst eingehen. Beider Ego-Showbiz kam bekanntlich zuletzt nicht mehr gut an.
Doch das ist die grüne Vergangenheit. Die Gegenwart ist die Oppositionsrolle, die der Partei anscheinend guttut. Und Cem Özdemir hat in Baden-Württemberg schon vorgemacht, wie die grüne Zukunft aussehen könnte. Dazu passt es, wenn die Vorsitzenden nun ankündigen, den Bürgern im Land auf Augenhöhe begegnen zu wollen und „einfach keinen Scheiß“ zu erzählen. Das wäre endlich ein Ende der grünen Besserwisserei. Aber ob es wirklich so kommt? Man wird ja noch träumen dürfen.
