
Das Heidenheimer Fußballmärchen der vorangegangenen Wochen war am Tag der Entscheidungen dann doch auserzählt. Nach drei Jahren in der Bundesliga ist die wackere Mannschaft des jederzeit couragierten Trainers Frank Schmidt am Samstag nach einer 0:2-Heimniederlage gegen den 1. FSV Mainz 05 dann doch als Tabellensiebzehnter abgestiegen.
Besiegelt wurde das schwere Los der Schwaben durch die Treffer von Philipp Tietz (7. Minute) und Nadiem Amiri (43.). Das Anrennen in der zweiten Hälfte führte zu nichts mehr – außer der Erkenntnis, dem jederzeit seriös um den Saisonabschlusssieg kämpfenden Gegner in den entscheidenden Momenten unterlegen gewesen zu sein.
„Es waren wunderbare Jahre“
Der Absteiger schlug sich am Tag der letzten Chance gleichwohl noch einmal wacker und verabschiedete sich kämpferisch stark wie so oft, aber spielerisch unterlegen wie noch häufiger. Die Fans feierten ihr Team dennoch. Und die Mainzer, überaus faire Gewinner, standen am Ende Spalier für die Heidenheimer Kollegen, die sich gefasst, aber traurig von der Bundesliga vor ihren ungebrochen optimistischen Fans verabschiedeten.
„Es waren wunderbare Jahre“, sagte der Heidenheimer Vorstandsvorsitzende Holger Sanwald, als der Gang zurück in die zweite Bundesliga unumkehrbar war, „wir gehen erhobenen Hauptes aus der Bundesliga raus und gegen die zweite Liga mit viel Mut an, denn wir haben uns einen Namen gemacht.“
Auch Trainer Frank Schmidt, der die motorische Kraft hinter dem Aufstieg des kleinen Klubs in die Bundesliga war, gab sich nach dem Abstieg schon wieder kämpferisch. „Morgen oder übermorgen fragen wir uns schon, wie wir eigentlich weitermachen“, sagte er beim Blick voraus.
Beim Blick zurück auf drei Jahre erstklassig inklusive Teilnahme an der Conference League in der Spielzeit 2024/25 hob er die in Heidenheim selbstverständliche Gemeinsamkeit im Sieg wie in der Niederlage hervor. „Entscheidend ist, dass wir immer alle zusammenhalten. Das ist unsere DNA.“
Was gut ist, kommt wieder?
Schmidt freut sich auf sein vielleicht letztes Jahr in Heidenheimer Diensten und sagte beim Blick zurück auf die nun vorerst beendete Zeit in der ersten Liga: „Schön war’s.“ Gilt also das alte Sprichwort: Was gut ist, kommt wieder? Abwarten. Die Konkurrenz in der zweiten Bundesliga wird groß sein.
Der FCH hatte an den vorausgegangenen sieben Spieltagen noch einmal von sich reden gemacht, als der abgeschlagen anmutende Tabellenletzte einen Zehn-Punkte-Rückstand gegenüber dem Mitte März auf Rang 16 notierten FC St. Pauli Punkt für Punkt wettmachte, bis er am 33. Spieltag als Siebzehnter gleichauf mit dem Sechzehnten VfL Wolfsburg und dem Achtzehnten aus Hamburg dastand. Bei dieser Reihung blieb es auch am letzten Spieltag nach dem Wolfsburger 3:1-Sieg bei St. Pauli, der den Niedersachsen zu den Relegationsspielen gegen den Zweitligadritten verhalf.
Nach dem 3:1-Erfolg am vergangenen Sonntag beim 1. FC Köln hatte der in Heidenheim an der Brenz geborene, 52 Jahre alte Fußballlehrer seine optimistische Prognose für den Endspurt seiner Mannschaft am 34. und letzten Spieltag dieser Saison preisgegeben: „Wir glauben daran, dass wir am Ende auch diesen sechzehnten Platz erreichen können.“
Vorsicht war indes geboten, hatten doch die Rheinhessen am 34. Spieltag der Spielzeit 2022/23 dank eines 2:2 bei Borussia Dortmund den Westfalen die Meisterfeier vermasselt. Und so warnte der Mainzer Sportdirektor Niko Bungert die vorfreudigen Heidenheimer vor dem Showdown im kleinsten Stadion der Bundesliga: „Wir haben schon einmal am letzten Spieltag eindrucksvoll bewiesen, dass wir nichts austrudeln lassen wollen.“
Tietz muss nicht hüpfen und trifft zum 1:0
Und das taten sie auch diesmal nicht. Als die Heidenheimer noch sichtlich nervös und angespannt in ihr Spiel der Spiele starteten, stand es schon 1:0 für die hellwachen Mainzer, die ihren letzten Saisonauftritt noch einmal zur Eigenwerbung nutzten.
Innenverteidiger Potulski, der ungehindert von der Torauslinie flanken konnte, fand den freistehenden Kollegen Tietz, der nicht einmal zu hüpfen brauchte, um das 1:0 per Kopfball zu erzielen. Ein früher Rückschlag für die verkrampft anmutenden Bemühungen der Schwaben, die sehr früh zu spüren bekamen, dass an diesem finalen Bundesligasamstag alle Mühsal umsonst sein könnte.
Die Mannschaft stabilisierte sich zwar ein wenig und trauerte dem Pfostenschuss von Pieringer (30.) und anderen nicht genutzten Gelegenheiten hinterher. Doch die mehr von sich überzeugte Mannschaft blieb das Team des coolen Schweizer Trainers Urs Fischer.
Wo immer die Möglichkeit, darunter ein Lattenschuss des Mittelstürmers Tietz (12.), bestand, kombinierten sich die 05er frei – und nutzten auf diese Weise die letzte große Gelegenheit vor der Pause, als Tietz den Mainzer Spielmacher Nadiem Amiri freigespielt hatte, der sodann mit all seiner Technik und Brillanz am Ball das 2:0 kurz vor der Pause erzielte. Der erhoffte Feiertag auf der Ostalb mutete längst wie ein trauriger Abschiedstag aus der Bundesliga an.
Schöppners Kopfball an die Latte
Immerhin: In die zweite Hälfte startete die Mannschaft mit dem Mut der Verzweiflung und hatte Pech, als Schöppners Kopfball nur die Latte traf (51.). Das Duell mit weiter zahlreichen Gelegenheiten mutete endlich ausgeglichen an. Doch für einen Trostpreis waren die nun couragierteren Heidenheimer gegen die weiterhin von sich und ihrem defensiv wie offensiv stimmigen Fußball überzeugten Mainzer nicht angetreten.
Und wenn sie einmal nicht aufpassten wie bei Zivzivadses Schuss im Duell mit dem Mainzer Torhüter Batz, der zu Borussia Mönchengladbach wechselt, war der scheidende Keeper zur Stelle. So verabschiedete sich der Tabellensiebzehnte nach drei sehenswerten Bundesligajahren mit einer ordentlichen Vorstellung vom Fußball erster Klasse in der ungebrochenen Hoffnung, so bald wie möglich nach oben zurückzukehren.
