
Die Zahl der Migranten, die Großbritannien in Schlauchbooten über den Ärmelkanal erreichen, ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres stark gesunken. Nach Angaben des britischen Innenministeriums erreichten 2026 bislang fast 11.900 geschleuste Migranten die englische Küste, im Vorjahreszeitraum waren es fast 20.000 gewesen. Im April hatten Großbritannien und Frankreich ein Abkommen zur Unterbindung der illegalen Überfahrten vereinbart, das die französische Küstenwache zu stärkeren Patrouillen verpflichtet und die Kontrollen im Hinterland auf französischer Seite verstärkt. London unterstützt diese französischen Maßnahmen durch die Zahlung von umgerechnet knapp 600 Millionen Euro.
Schon im vergangenen Jahr hatten London und Paris ein Rückführungsabkommen vereinbart, das ähnliche Mechanismen enthält wie jene, die einst in dem Abkommen zwischen der Europäischen Union und der Türkei festgelegt wurden. Danach senden die britischen Behörden illegal über den Kanal geschleuste Flüchtlinge nach Frankreich zurück, nehmen dafür aber in gleicher Zahl Flüchtlinge aus Frankreich auf, die einen gesicherten Status haben und nach Großbritannien wollen. Im Zuge dieses Abkommens sind mittlerweile knapp 1000 Personen nach Frankreich zurückgeschickt worden, darunter auch Einzelne, die schon zum zweiten Mal die gefährliche Überfahrt im Schlauchboot nach England unternommen hatten.
10.000 Asylsuchende in staatlicher Obhut
Die britische Innenministerin Shabana Mahmood hat vor einige Tagen neue Bestimmungen zum Asylrecht ins Parlament eingebracht, von denen allerdings unklar ist, ob sie nach dem erwarteten Wechsel an der Regierungsspitze von Keir Starmer zu Andrew Burnham weiter verfolgt werden, da Burnham, der Ende Juli zum Premierminister berufen werden könnte, auch ein neues Kabinett zusammenstellen wird.
Zu Mahmoods propagierten Änderungen gehört die Absicht, anerkannte Asylsuchende zu verpflichten, einen Teil ihrer Unterbringungskosten an die Staatskasse zurückzuzahlen, sofern und sobald sie über die Mittel dazu verfügen. Allerdings hat das Innenministerium bislang offengelassen, von welcher Einkommenshöhe an die Pflicht zur Rückzahlung einsetzen soll.
Nach Angaben des Innenministeriums sind gegenwärtig knapp 10.000 Asylsuchende ohne Abschluss ihres Verfahrens in staatlicher Obhut untergebracht; mehr als ein Fünftel von ihnen lebt in angemieteten Hotel-Unterkünften. Vor allem gegen diese Unterbringungsform hatte sich im vergangenen Jahr öffentlicher Ärger gerichtet; es gab Aufrufe zu Protesten, die häufig von rechtsextremistischen Kreisen ausgingen. Die Regierung beteuert, sie sei dabei, zusätzliche Unterkünfte in Militärstützpunkten einzurichten und immer mehr Verträge mit Hotels zu beenden.
Zudem enthält die Asylnovelle die Möglichkeit für freiwillige zivilgesellschaftliche Gruppen, zusätzlichen Flüchtlinge durch die Zusicherung materieller Unterstützung ein Bleiberecht in Großbritannien zu ermöglichen. Diese Option folgt einem in Kanada praktizierten Verfahren, nachdem Kirchengemeinden, Menschenrechtsorganisationen, aber auch spontan organisierte Gruppen von Freiwilligen eine bestimmte Summe aufbringen, um das Flüchtlingskontingent zu erhöhen, das einen legalen Aufenthaltsstatus im Land erhält.
