31. Mai 2026 · Kein Möbelstück verkörpert die deutsch-deutsche Designgeschichte so nonchalant wie der „Z-Stuhl“. Viele halten ihn für einen Klassiker der DDR. Was nicht falsch ist, aber auch nicht richtig. Nun bringen ihn zwei Unternehmerinnen zurück.
Ein Stuhl? Liv Pestel hatte sich zu ihrem 18. Geburtstag eigentlich etwas anderes gewünscht. Ein Auto vielleicht, irgendetwas Brauchbares jedenfalls, nur keinen Plastikstuhl. Dabei hatte ihr Vater es nur gut gemeint, schließlich wäre er ohne diesen Stuhl womöglich nicht dort gelandet, wo er heute steht. Nach der Wende gehörte der gelernte Werkzeugmacher zu denen, die nicht erst abwarteten, bis ihnen jemand den Kapitalismus erklärt. Als einer der Ersten im Osten machte er sich selbständig, produzierte mit ausrangierten Maschinen Formteile aus Polyurethan, verkaufte Lenkräder, Straßenbahnsitze und Druckergehäuse bis ins Ausland.
„Alle wollten nur wissen,
was das für Stühle sind.“
LIV PESTEL
Mit dem Stuhl hatte alles angefangen, denn den gab es zur ersten Maschine dazu. Ihr Vater hatte ihn für seine Tochter eigenhändig aufgearbeitet und lackiert. „Am Anfang wusste ich damit nicht viel anzufangen“, sagt Liv Pestel. „Der Stuhl wurde erst einmal meine Klamottenablage.“ Doch je länger das kuriose Möbelstück blieb, desto besser gefiel es ihr. Auf dem Trödelmarkt kaufte Pestel drei weitere Exemplare, das Quartett zog ins Esszimmer. Später, als sie selbst in die Firma einstieg und nach Hannover auf eine Messe fuhr, um Spiegel und Spoiler für Nutzfahrzeuge zu präsentieren, nahm sie die Stühle als Sitzgelegenheiten mit. Um die Nutzfahrzeugteile ging es plötzlich gar nicht mehr, erzählt Pestel. „Alle wollten nur wissen, was das für Stühle sind.“
