
Das Projekt hat hohe Symbolkraft: Ausgerechnet in Deutschland errichtet die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ein erstes Bildungszentrum außerhalb Jerusalems. Es entsteht am Karolinenplatz im Zentrum von München – im ehemaligen Parteiviertel der NSDAP. Der Ort ist bewusst gewählt: München gilt als einstige „Hauptstadt der Bewegung“.
Der Vorsitzende von Yad Vashem, Dani Dayan, sagte dazu am Donnerstag: „Die Wahl Münchens, der Geburtsstätte der NSDAP, hat eine tiefe symbolische Bedeutung und spiegelt wider, wie wichtig es ist, sich dieser Geschichte dort zu stellen, wo sie ihren Anfang nahm.“ In Zusammenarbeit mit den deutschen Partnern werde das Zentrum dazu beitragen, „dass die Wahrheit über den Holocaust bewahrt und an künftige Generationen weitergegeben wird“.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einer Ehre für sein Bundesland. „Die Entscheidung zeigt unsere enge Beziehung zur jüdischen Gemeinde und zu Israel“, sagte er. Bayern werde für Yad Vashem ein gutes Zuhause sein. Ausschlaggebend für die Wahl Münchens waren neben der historischen Bedeutung eine gute Infrastruktur, hohe Sicherheitsstandards und finanzielle Zusicherungen durch die bayerische Staatsregierung.
Leipzig: Außenstelle mit Brückenfunktion nach Osteuropa
Parallel zum Münchner Hauptstandort entsteht in Leipzig eine Außenstelle im Ariowitsch-Haus, dem Kultur- und Begegnungszentrum der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Die Einrichtung wird interaktive Lernräume bereitstellen und richtet ihre Angebote besonders an Pädagogen und junge Menschen in der gesamten Region sowie in den Nachbarländern Polen und Tschechische Republik.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bezeichnete die Entscheidung als „große Ehre und zugleich Verpflichtung“. In Leipzig gebe es wieder eine stark gewachsene jüdische Gemeinde. Die Einrichtung könne zudem eine Brücke nach Osteuropa sein – „auch bei der Zusammenarbeit mit Polen und Tschechien in der Bildungs- und Erinnerungsarbeit“.
Die Idee zu dem Bildungszentrum von Yad Vashem in Deutschland entstand 2023 bei einem Treffen zwischen Dani Dayan und dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Seither wurde sie von Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesbildungsministerin Karin Prien (beide CDU) sowie von Politikern auf Bundes- und Landesebene unterstützt. Im September 2025 hatte Yad Vashem das Vorhaben offiziell angekündigt. Eine Machbarkeitsstudie führte zur Vorauswahl der Bundesländer Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen als mögliche Standorte.
Bundesbildungsministerin Prien betonte die pädagogische Reichweite des Projekts. Die Erfahrung von Yad Vashem biete eine einzigartige Chance, die Perspektive der Opfer noch wirksamer zu vermitteln und Multiplikatoren für die ganze Republik auszubilden, sagte sie. Gerade junge Menschen in Deutschland wüssten zu wenig über die systematische Ermordung von Millionen Juden im Nationalsozialismus. Laut Yad Vashem soll das Bildungszentrum innerhalb von drei Jahren eröffnet werden, frühestens 2027 oder 2028.
