
Bea Merscher hat ihren Titel weg. Seit sie in der RTL-Sendung „Am Tisch mit Friedrich Merz“ vor einer Woche meinte, er habe mit seiner Regierung ein „menschenverachtendes zerstörerisches Gesetz“ zur Gesundheitspolitik beschlossen und seinen Amtseid gebrochen, und anschließend ergänzte, der Bundeskanzler habe sie nach der Sendung ausgelacht, ist sie die „Wutärztin“.
Das wolle sie aber gar nicht sein, beteuerte sie Journalisten gegenüber. Ihr gehe es um den Zustand des Gesundheitswesens und insbesondere die Versorgung der Kinder. Am kommenden Samstag soll es dazu in Berlin unter dem Motto „Es reicht! Gesundheit statt Sparwahn!“ eine Protestveranstaltung geben. Die Kinderärztin und alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Kindern zeigt auf diese Weise, was man als Social-Media-Influencerin mit rund 500.000 Abonnenten auf Instagram, Tiktok, Facebook und Youtube erreichen kann.
Und schon haben wir die maximale Eskalation
Sie zeigt allerdings auch, was vor allem auf Social Media aus einer Debatte über ein bedeutendes gesellschaftspolitisches Thema wird, wenn man auf maximale Provokation setzt: eine brutale Schlammschlacht. Das fing mit ihrem Auftritt bei RTL an – von dem sich der Sender distanzierte. Es folgte ein Shitstorm zum Stichwort „Nutznießer“. Merz hatte in der ihm eigenen ungeschmeidigen Art gesagt, dass „über 500 Milliarden Euro für unser Gesundheitssystem“ ausgegeben würden und die Ärztin „als Teil dieses Gesundheitssystems auch Nutznießer“ dieses Systems sei.
Prompt hagelte es in den sozialen Medien Beiträge, die sich an dem Begriff als vermeintliche Umschreibung von Schmarotzertum abarbeiteten, da machte sogar die Ärztekammer Nordrhein mit. Es geht zu wie beim Ringelreihen nach Merz’ Äußerung über das „Stadtbild“.
Die Menschenverachtung, welche die Kinderärztin dem Bundeskanzler unterstellte, schlägt ihr nun entgegen. Und die sozialen Medien beweisen einmal mehr ihre asozialen, zerstörerischen Züge. So darf man Debatten nicht führen.
