Manche Dinge im Leben nehmen eine überraschende Entwicklung. So ist es dieser Zeitung mit einem Depot ergangen, dem wir vor zehn Jahren einst den hochtrabenden Namen „Wunderportfolio“ gegeben haben. Anfangs bestand gar nicht die Absicht, in regelmäßigen Abständen auf dieses Depot zu schauen, das sich aus zwei Indexfonds (ETF) zusammensetzt. Doch mit der Zeit schlug sich das Portfolio so beachtlich im Vergleich mit klassischen Fonds, das wir immer wieder Artikel darüber schrieben. Auch das Interesse der Leser stieg von Jahr zu Jahr.
Mittlerweile hat sich die Angelegenheit sogar fast ein bisschen verselbständigt. So jedenfalls war das Gefühl, als die F.A.S. vor einigen Tagen eine Nachricht von Michael Busack erreichte. Busack ist geschäftsführender Gesellschafter des Analysehauses Absolut Research, das Fonds aller Art miteinander vergleicht. Er habe sich nun das Wunderportfolio vorgenommen, ließ Busack die F.A.S. wissen, „mit interessanten Ergebnissen“. Das hat uns neugierig gemacht.
Die 360-Grad-Analyse
Absolut Research hat zum einen Zugriff auf eine Vielzahl von Daten – rund 90 Prozent der weltweit in Fonds angelegten Gelder deckt das Analysehaus ab. Und zum anderen analysieren die Fachleute die Fonds nicht nur anhand ihrer Wertentwicklung, sondern ziehen mehr als 40 zusätzliche Kennzahlen zurate. Dazu gehört beispielsweise der sogenannte „Maximum Drawdown“, der den maximalen Verlust misst, den ein Fonds innerhalb eines bestimmten Zeitraums hinnehmen musste. Oder die sogenannte „Sharpe Ratio“, ein Vergleichsmaß, das die Wertentwicklung eines Fonds ins Verhältnis zum eingegangenen Risiko setzt. Stark vereinfacht, verbirgt sich dahinter Folgendes: Wer beispielsweise auf eine Aktie setzt, deren Kurs deutlich schwankt, kann damit zwar unter Umständen einen beachtlichen Ertrag erzielen. Aber sicher ist der Zugewinn keineswegs.
Michael Busack wollte es nun ganz genau wissen: Wie gut schlägt sich das F.A.S.-Portfolio im Vergleich zu rund 700 international anlegenden Fonds und unter Berücksichtigung all seiner Kriterien? „360-Grad-Analyse“ nennt das der Fachmann, und so viel sei an dieser Stelle schon verraten: Das F.A.S.-Portfolio zeigt sich robust.
Zur Auffrischung sei noch einmal daran erinnert, wie sich das ursprüngliche Portfolio zusammensetzt. Es besteht zu gleichen Teilen aus einem Aktien-ETF, der den MSCI World abbildet, und einem Anleihe-ETF, der die Wertentwicklung europäischer Staatsanleihen gemischt mit europäischen Unternehmensanleihen nachzeichnet – dem iShares MSCI World (ISIN: IE00B0M62Q58) und dem iShares Euro Aggregate Bond (ISIN: IE00B3DKXQ41). Einmal im Jahr muss das ursprüngliche Verhältnis von 50:50 zwischen beiden ETF wiederhergestellt werden, in der Fachsprache „Rebalancing“ genannt.
Ein erheblicher Nachteil
Busacks Analysen enthalten nun eine weitere Besonderheit. Ihm kommt es darauf an, die Leistung eines Fonds unabhängig von den Gebühren zu betrachten, die Anleger dafür zahlen müssen. Das ergibt Sinn, lässt sich doch nur bei einem Blick auf die Wertentwicklung vor Abzug der Gebühren feststellen, wie gut oder schlecht ein bestimmter Fondsmanager gearbeitet hat. Anleger sollten aber wissen: Üblicherweise wird die Wertentwicklung eines Fonds in Deutschland stets nach Abzug der Kosten ausgewiesen.
Für das F.A.S.-Portfolio geht Busacks Betrachtungsweise mit einem erheblichen Nachteil einher. Da ETF einen Börsenindex abbilden und ohne Fondsmanager auskommen, sind sie viel billiger als die klassische Konkurrenz. Das ETF-Portfolio kommt auf eine Gebühr von gerade einmal 0,33 Prozent im Jahr. Die von Busack vermessene Vergleichsgruppe an internationalen Aktien- und Anleihefonds kommt dagegen im Schnitt auf 1,33 Prozent. Das ist fast fünfmal so teuer.
Doch selbst ohne Berücksichtigung dieses Vorteils kann sich das ETF-Portfolio behaupten. Auf Sicht von zehn Jahren lässt es unter Berücksichtigung aller Kriterien 52 Prozent seiner Konkurrenten aus aller Welt hinter sich. Das ist für sich genommen noch nicht so überraschend, sondern entspricht der Erwartung, da ETF ja im Prinzip nichts anderes abbilden als die durchschnittliche Wertentwicklung eines Marktes.
Der Blick auf die Details
Spannend wird es, wenn man auf die Details schaut. Fügt man Busacks Risikomaße zu einer einheitlichen Kennziffer zusammen, lässt sich vereinfacht sagen: Im Umgang mit Finanzmarktrisiken aller Art ist das ETF-Portfolio auch über den langen Zeitraum von zehn Jahren erfolgreicher als rund 60 Prozent seiner Vergleichsgruppe. Das ist bemerkenswert: Behaupten Fondsmanager doch häufig, in dieser Disziplin besonders gut zu sein – also beispielsweise die Aktienquote in ihren Fonds rechtzeitig vor einem Börsenabsturz zu reduzieren. Dass in der Praxis so viele Manager einem statischen ETF-Portfolio unterlegen sind, spricht nicht gerade für sie. Auf die kurze Sicht von einem Jahr konnte das Portfolio seine Stärken sogar noch deutlicher ausspielen: Bei verschiedenen Kennziffern, unter anderem dem „Maximum Drawdown“, gehört es zu den besten 25 Prozent in seiner Vergleichsgruppe.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Die Vorteile zeigen sich noch stärker, wenn man auf das „Wunderportfolio 2.0“ schaut – eine Anpassung des ursprünglichen ETF-Portfolios, die wir zu Beginn des Jahres vorgenommen haben. Auch sie hat Absolut-Research-Geschäftsführer Busack untersucht. Diese leicht erweiterte Variante des Ursprungsportfolios setzt sich zusammen aus sechs ETF: Jeweils 12,5 Prozent des Geldes fließen in ETF auf europäische, amerikanische und japanische Aktien sowie in Aktien aus den Schwellenländern. Hinzu kommen 25 Prozent in einen Indexfonds auf europäische Staats- und Firmenanleihen sowie 25 Prozent in einen Indexfonds, der nur europäische Firmenanleihen abbildet.
Das Ergebnis, ein weiteres Mal ohne Berücksichtigung der noch niedrigeren Kosten von 0,13 Prozent, kann sich sehen lassen. Das „Wunderportfolio 2.0“ ist auf Sicht von zehn Jahren besser als fast 60 Prozent seiner Vergleichsgruppe. Das bedeutet natürlich auch: Keines der beiden ETF-Portfolios ist permanent herausragend, beiden hatten auch schon einzelne schlechte Jahre. Doch Fachmann Busack sagt: „In Kombination mit den niedrigen Gebühren bleiben die Portfolios für alle Fondsmanager ernst zu nehmende Konkurrenten.“
