Herr Höne, Herr Kubicki, Sie haben dieses Doppelinterview vorgeschlagen. Warum?
Höne: Die politischen Herausforderungen in Deutschland und der Welt sind enorm. Eine starke liberale Partei wird dringend gebraucht. Wolfgang Kubicki und ich haben in den letzten Wochen immer gesagt, dass wir im Gespräch bleiben. Und so war es auch. Nach intensiven Gesprächen in den letzten Tagen haben wir uns dazu entschieden, die Kräfte zu bündeln: Wolfgang Kubicki kandidiert als Bundesvorsitzender und ich als erster stellvertretender Bundesvorsitzender.
Das heißt, Sie ziehen Ihre Kandidatur für den Parteivorsitz zurück.
Höne: Ja. Wir müssen alle zusammenführen, denen Freiheit wichtig ist. Und das muss schnell geschehen. Auch mit Blick auf die aktuelle Krise der Bundesregierung.

Kubicki: Wie schon 2013 wollen wir unsere Kräfte bündeln. Damals hieß das Team Lindner-Kubicki, jetzt heißt es Kubicki-Höne. Wir beide wollen uns darauf fokussieren, die FDP so schnell wie möglich wieder zu einem bedeutenden politischen Faktor in Deutschland zu machen. Der Bundesparteitag Ende Mai bietet die Chance, dass wir uns geschlossen und schlagkräftig präsentieren.
Wenn das Team Kubicki-Höne heißt, hat Herr Höne eine Sonderrolle im Vergleich zu den beiden weiteren Vizechefs?
Kubicki: Als Vorsitzender unseres größten Landesverbandes und Fraktionsvorsitzender in einem der wenigen Landtage, in denen wir noch präsent sind, hat er per se eine herausgehobene Rolle. Abgesehen davon sind wir sowieso keine One-Man-Show und werden es auch künftig nicht sein.
Herr Höne, Sie haben jetzt wochenlang erklärt, warum Sie der bessere Parteivorsitzende wären. Auch bisher wollten Sie schon Herrn Kubicki einbinden, also Kräfte bündeln – bloß mit Ihnen an der Spitze. Hat Ihnen am Ende der nötige Zuspruch aus der Partei gefehlt?
Höne: Nein, aber in einer solchen Situation sind alle Beteiligten aufgefordert, die Lage fortlaufend neu zu bewerten. Meine Wahrnehmung in den letzten Wochen war, dass es Parteifreunde gab, die schnell festgelegt waren, wen sie sich an der Spitze der FDP wünschen. Es gab aber auch viele, die sich über das, was uns im Stil unterscheidet, intensiv Gedanken gemacht haben. Zuletzt hörte ich immer öfter: Wir brauchen euch beide, wie kann man das zusammenführen? Das hat dazu beigetragen, dass Wolfgang Kubicki und ich in unseren Gesprächen überlegt haben, wie es gehen könnte.
Kubicki: Die Menschen in unserer Partei wollen, dass wir uns einigen. Viele Journalisten finden es besser, wenn wir uns streiten. Aber eine starke FDP muss Einigkeit zeigen. Der Wettbewerber um Wählerinnen und Wähler steht außerhalb der Partei, nicht in der Partei.
Herr Höne, manche Ihrer Unterstützer sind eingefleischte Kubicki-Kritiker. Wie erklären Sie denen, dass Sie ihn jetzt freiwillig an die Spitze lassen?
Höne: Damit, dass diese Partei in der wahrscheinlich schwersten Krise ihrer Geschichte ist und darum jeder Schritt sehr sorgsam abgewogen werden muss. Wir müssen nach innen und außen zeigen, dass wir die einzige Heimat sind für alle, denen Freiheit, Leistungsgerechtigkeit und eine offene Gesellschaft wichtig sind. Außerdem werde ich mich mit alldem prominent einbringen, was ich in den letzten Wochen in der Partei vorgestellt und diskutiert habe. Gleichzeitig gibt mir diese Aufstellung die Möglichkeit, einen noch stärkeren Fokus auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen in knapp einem Jahr zu legen. Beides muss man ja zusammen denken: die Landtagswahl, für die ich eine besondere Verantwortung trage, und die Gesamtpartei, für die ich das auch tue. Wolfgang Kubicki kümmert sich schwerpunktmäßig um Berlin, mein Schwerpunkt ist die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen.

Kubicki: Wir müssen unseren Blick jetzt geschlossen auf den Erfolg richten. Die Unzufriedenheit mit der jetzigen Koalition ist historisch. Wir können es uns nicht leisten, uns lange mit uns selbst zu beschäftigen. Wir müssen auf dem Parteitag jetzt zeigen: Wir sind eine kampfbereite Truppe, die man unterstützen kann, wenn dieses Land tatsächlich wieder auf einen gelben Zweig kommen soll.
Herr Höne, werden Sie dann die Strategie-Arbeit für Herrn Kubicki machen, während der in Talkshows sitzt?
Höne: Die Strategie ist eine Gemeinschaftsaufgabe des Präsidiums. Schon wenige Wochen nach dem Bundesparteitag muss spürbar sein, dass wir uns neu aufgestellt haben. Das gilt genauso für die Präsenz innerhalb der Partei wie für die Öffentlichkeitsarbeit. Das Präsidium hat auch die Aufgabe, in vielen Regionen dieses Landes Klinken zu putzen.
Herr Kubicki, Sie haben neulich gesagt, als Parteichef würden Sie den Erfolg Ihrer Präsidiumskollegen nicht daran messen, wo diese überall Klinken putzen, sondern wie präsent sie in den Medien sind. Haben Sie Vertrauen, dass Herr Höne das in Ihrem Sinne angeht?
Kubicki: Wenn ich mir die vergangenen vier Wochen anschaue, habe ich daran gar keinen Zweifel. Unabhängig davon: Ich wollte mit der Aussage nur darauf hinweisen, dass es nicht reicht, die eigenen Parteifreunde zufriedenzustellen. Das ist auch wichtig. Aber viel wichtiger ist, dass wir eine öffentliche Präsenz entfalten, die im letzten Jahr nicht vorhanden war. Wir werden die Partei in sehr enger Abstimmung miteinander führen. Das heißt, es wird keine Entscheidung geben, die wir nicht vorher besprochen hätten.

In manchen Dingen waren Sie bisher unterschiedlicher Auffassung. Zum Beispiel, was die Verantwortung der FDP für den Bruch der Ampelkoalition betrifft. Wie wollen Sie da künftig eine Linie finden?
Kubicki: Selbstverständlich sind wir unterschiedliche Personen. Wir haben auch deshalb unterschiedliche Sichtweisen, weil ich bei der Ampel näher dran war an allen Beteiligten. Es ist übrigens ganz merkwürdig. In letzter Zeit bekomme ich von ehemaligen Ampel-Kollegen aus SPD und Grünen Nachrichten: Wenn man sich die jetzige Koalition so ansieht, waren wir doch wirklich gar nicht so schlecht.
Höne: Schwarz-Rot schafft es in der Tat, das noch mal zu toppen. Der Kanzler ist groß in Selbstmitleid und klein darin, Dinge auch nur annähernd so umzusetzen, wie er es versprochen hat. Umso dringender braucht es eine FDP, die wieder als wählbare Alternative wahrgenommen wird. Übrigens auch wegen der Kandidatinnen und Kandidaten, die mit uns für den Bundesvorstand kandidieren. Wenn ich an Svenja Hahn denke, die auch jetzt schon Vizevorsitzende ist; wenn ich an Linda Teuteberg denke, die kandidieren möchte, an Susanne Seehofer, die auch erneut antritt, an Benjamin Strasser, der sich wieder stärker einbringen möchte. Auch an Alena Trauschel, die für den Bundesvorstand kandidieren wird.
Trotzdem: Was ist, wenn Herr Kubicki mal wieder einen Spruch raushaut, über den andere in der Partei – vor allem Ihre Anhänger, Herr Höne – den Kopf schütteln? Wenn zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Bundeskanzler das Wort „Eierarsch“ fällt.
Höne: Den Ausdruck kannte ich noch nicht, insofern freut es mich, wenn ich dazulernen kann. Abgesehen davon halte ich mich an die Grundregel: Man bespricht Dinge erst einmal intern und direkt. Das ist auch schon vorgekommen. Wir haben ja nicht erst vor vier Wochen angefangen, miteinander zu reden. Und ja: Natürlich gibt es unterschiedliche Stile und unterschiedliche Beweggründe. Aber die Menschen draußen warten nicht auf eine Einheits-FDP, sondern auf eine mit klarem Kompass, aber mit unterschiedlichen Köpfen und Charakteren.
In einem Jahr wird die Parteispitze schon wieder neu gewählt. Wenn es so gut läuft, wie Sie sich das wünschen, Herr Kubicki: Werden Sie dann noch mal als Vorsitzender antreten?
Kubicki: Das ist eine sehr interessante Frage, die ich wie folgt beantworte: Das entscheiden wir rechtzeitig vorher.
