Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe hat vor lebensgefährlichen Folgen der extremen Hitze für wohnungslose Menschen gewarnt. Wer auf der Straße lebe, trage bei Extremhitze das höchste Risiko, sagte Geschäftsführerin Sabine Bösing der Rheinischen Post.
»Ohne Zugang zu Wasser, Schatten oder kühlen Räumen sind wohnungslose Menschen der extremen Hitze schutzlos ausgeliefert«, sagte Bösing. Viele litten bereits unter Vorerkrankungen, die die Hitze weiter verschärfe.
Sozialverband fordert Hitzeaktionsplan
Bösing forderte neben Akuthilfen den »Schutz von kühlem Wohnraum«. Hitzeschutz müsse eine verbindliche Pflichtaufgabe von Staat und Kommunen werden.
Auch der Sozialverband Deutschland verlangte mehr Vorsorge. Besonders gefährdete Menschen bräuchten »verlässlichen Schutz«, sagte SoVD-Chefin Michaela Engelmeier derselben Zeitung. Länder und Kommunen müssten flächendeckende Hitzeaktionspläne umsetzen.
Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt verwies auf den besonderen Bedarf in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Es sei nicht haltbar, dass dort nur ein geringer Teil der Menschen von einer Klimaanlage profitiert. »Da besteht ein erheblicher Bedarf«, der bei Neuplanungen und Sanierungen viel stärker berücksichtigt werden müsse als bislang, sagte Reinhardt im Deutschlandfunk.
9.600 Hitzetote in einer Woche
Die Zahl der hitzebedingten Todesfälle ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts weiter gestiegen. Bis zum 26. Juli starben Schätzungen des Instituts zufolge rund 11.900 Menschen infolge hoher Temperaturen. Der bisherige Höchstwert für ein gesamtes Jahr, rund 9.000 Sterbefälle im heißen Jahr 2018, war schon zuvor überschritten.
Etwa 9.600 der hitzebedingten Sterbefälle in diesem Jahr gehen laut RKI auf die besonders heiße Woche Ende Juni zurück. Vielerorts wurden damals Temperaturen über 40 Grad Celsius gemessen.
