Die Zahl der Baugenehmigungen ist im ersten Quartal dieses Jahres um 14,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Insgesamt wurden von Januar bis März bisher 63.500 Bauanträge für Wohnungen genehmigt, teilte das Statistische Bundesamt mit. Trotz erster Belastungen
durch den Iran-Krieg ist der deutsche Wohnungsbau somit im Aufwind.
Expertinnen und Experten befürchten jedoch, dass die Dynamik nachlassen
könnte. »Allerdings ist damit zu rechnen, dass der anhaltende
Konflikt im Mittleren Osten dem sich erholenden Wohnungsbau
einen spürbaren Dämpfer verpassen wird«, sagte der
wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und
Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien. Die gestiegenen
Kraftstoffpreise und damit die höhere Inflation könnten zu
höheren Zinsen führen, die den Wohnungsbau weniger bezahlbar
machten. Der Anstieg der Baugenehmigungen in Richtung Sommer
dürfte deshalb kleiner ausfallen, sagte Dullien.
Der für Krisen anfällige Wohnungsbau hatte 2025 die Trendwende
geschafft: Nach drei Minus-Jahren in Folge stieg die Zahl der
Baugenehmigungen erstmals wieder. Höhere Zinsen und
Materialkosten hatten in den drei Vorjahren viele Bauvorhaben verhindert. Die Zahl der Genehmigungen ist ein wichtiger
Frühindikator für die künftige Bauaktivität.
Schlechte Stimmung im Wohnungsbau
Die Zahl der Genehmigungen für Einfamilienhäuser legte in den ersten drei Monaten um 13,7 Prozent auf 12.100 zu. Bei den Zweifamilienhäusern gab es einen stärkeren Anstieg von 23,2 Prozent auf 3.600. In Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, genehmigten die Bauaufsichtsbehörden 33.100 Neubauwohnungen. Das waren 14,9 Prozent mehr. Bei Wohnheimen gab es dagegen einen Rückgang um 3,1 Prozent auf 2.800.
Die Stimmung im Wohnungsbau hatte sich im April stark verschlechtert. Das Barometer für das Geschäftsklima fiel von minus 19,3 Punkten im Vormonat auf minus 28,4 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage mitteilte. Das ist der stärkste Rückgang seit vier Jahren, als Russland seinen Angriff auf die Ukraine begann.
»Die geopolitische Unsicherheit belastet inzwischen auch den Wohnungsbau in Deutschland«, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. Grund dafür sind nach
Angaben des Instituts auch die Sorgen über Lieferengpässe. Im April
berichteten 9,2 Prozent der befragten Unternehmen von Problemen bei der
Materialversorgung, vor allem bei Grundstoffen. Dazu zählen unter
anderem Stahl, Beton, Dämmstoffe und rohölbasierte Produkte, wie Folien
und Bitumen. In den mehr als zwei Jahren zuvor hatte dieser Anteil
lediglich bei rund einem Prozent gelegen.
