
Die Geschichte, warum Luca Zidane bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft dabei sein wird, ist eine Familiengeschichte. Am Mittwoch (3.00 Uhr MESZ/ live bei MagentaTV) wird er im Spiel gegen Weltmeister Argentinien im Tor der Nationalmannschaft Algeriens stehen – auch wenn sich sein berühmter Vater Zinedine Mitte der Neunzigerjahre für Frankreich entschieden hatte, auch wenn er selbst in Marseille geboren und in Madrid aufgewachsen ist, auch wenn er und seine Brüder die französischen Nachwuchsnationalmannschaften durchliefen.
„Es ist die Verbundenheit, die wir, unsere Familie, empfinden, und die Liebe, die wir für Algerien hegen“, sagte Luca Zidane, der jüngste der vier Zidane-Sprösslinge, über seine Entscheidung. „Außenstehende mögen denken, dass wir unser ganzes Leben in Frankreich verbracht haben, vor allem meine Familie. Ich habe zwar in Spanien gelebt, aber die Verbundenheit, die wir mit Algerien haben, lässt sich nicht beschreiben.“
Zidane erzählt, dass ihm schon in der Kindheit vermittelt wurde, wie wichtig die Wurzeln der längst kosmopolitischen Familie seien: „Wir sind von klein auf mit der algerischen Kultur aufgewachsen, und es sind meine Großeltern, die uns diese Liebe vermittelt haben. Auch aus Liebe zu meinem Opa und zu meiner Oma habe ich mich für Algerien entschieden, ohne groß nachdenken zu müssen. Es war aber in keinster Weise eine Entscheidung gegen Frankreich oder gegen Spanien.“
Der Vater hilft bei der Eingewöhnung
Der inzwischen 27 Jahre alte Torhüter vom spanischen Zweitligaklub FC Granada hatte – auch das gehört zur Wahrheit – in der französischen A-Nationalmannschaft nie eine Rolle gespielt. Im vergangenen Jahr entschied er sich dann, für das Heimatland seiner Großeltern zu spielen. „Es hat mich schon immer interessiert, für die algerische Nationalmannschaft zu spielen“, sagt er. „Wenn ich das Nationaltrikot trage und die Nationalhymne höre, sind das unglaubliche Gefühle. Jedes Mal habe ich Gänsehaut.“ Auf dem Spielfeld und abseits davon sei er vom Team gut aufgenommen worden, erzählt er. Auch sein Vater habe ihn von Anfang an unterstützt, als er ihm von seinem Wunsch erzählte, für Algerien zu spielen.
Luca Zidane spielte mehrere Jahre für die französischen Juniorenmannschaften, von der U16 bis zur U20, bevor er auf internationaler Ebene sieben Jahre lang eine Durststrecke durchlebte. Bei den Fennecs wagte er im Herbst 2025 einen Neuanfang, war von den Plänen des Trainers Vladimir Petković direkt überzeugt. Beim Afrika Cup, der im Dezember und Januar in Marokko ausgetragen wurde, war Zidane erstmals Stammtorhüter der Algerier. Die Mannschaft verlor zwar bereits im Viertelfinale gegen Nigeria, doch der Torhüter gehörte trotzdem zu den Gewinnern des Turniers. Die durchaus bestehenden Zweifel an seinem Leistungsniveau konnte er eindrucksvoll ausräumen. In drei von vier Spielen, die er im Turnier bestritt, blieb Zidane ohne Gegentor und zeigte dabei einige herausragende Paraden.
Ende April wackelte Zidanes WM-Teilnahme plötzlich trotzdem: Beim Ligaspiel mit Granada gegen Almería erlitt er eine schwere Gesichtsverletzung. Doch nach gerade einmal vier Wochen kehrte er mit einer Spezialmaske auf den Trainingsplatz zurück. In den WM-Testspielen mit Algerien zeigte er sich in bestechender Form, blieb gegen die Niederlande und Uruguay jeweils ohne Gegentor. Vor dem Start in die WM ist er im Tor der „Wüstenkrieger“, so der Spitzname des Nationalteams, die klare Nummer eins. Nach dem Auftakt gegen Argentinien geht es in Gruppe J noch gegen Jordanien und Österreich.
Vor ziemlich genau zwanzig Jahren endete die Karriere des Zinedine Zidane mit einem Kopfstoß gegen Marco Materazzi im WM-Endspiel in Berlin gegen Italien. Nun ist der große Name des Weltfußballs zurück auf der größten Bühne.
