Der Sachverständigenrat erwartet für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nur ein geringfügiges Wachstum. Das schreiben die sogenannten Wirtschaftsweisen in ihrem Frühjahrsbericht. Sie gehen nur noch von 0,5 Prozent mehr BIP aus. Damit hat das Gremium, das die Bundesregierung in Wirtschaftsfragen berät, seine Wachstumserwartungen gegenüber der Schätzung im vergangenen Herbst fast halbiert. Für das kommende Jahr erwarten die Ökonominnen und Ökonomen mit 0,8 Prozent ebenfalls ein nur geringes Wachstum.
Die Wirtschaftsweisen veröffentlichen zweimal jährlich
eine Bestandsaufnahme zum Zustand der deutschen Wirtschaft, wobei das im November
erstellte Jahresgutachten als maßgeblich gilt. Im Jahresgutachten 2025 hatten
die Ökonominnen und Ökonomen für dieses Jahr noch einen Anstieg der
Wirtschaftsleistung von 0,9 Prozent prognostiziert und waren damit bereits zurückhaltender als die Bundesregierung, die damals mehr als ein Prozent
erwartet hatte.
Hohe Ölpreise erschweren Handel und senken Konsum
Diese Prognose ist im nun veröffentlichten
Frühjahrsgutachten von der US-Handelspolitik und den hohen Energiepreisen
infolge des Irankrieges stark beeinflusst worden. Führende Wirtschaftsinstitute
und auch die Bundesregierung haben ihre Konjunkturerwartungen vor diesem
Hintergrund gegenüber den Prognosen im Vorjahr ebenfalls halbiert.
Die Wirtschaftsweisen begründen ihre pessimistischeren Erwartungen mit den hohen Ölpreisen. Diese würden die Bedingungen für Handel verschlechtern, heißt es in ihrem Bericht: »Das senkt die Kaufkraft der privaten Haushalte und damit den privaten
Konsum. Höhere Produktionskosten belasten die Unternehmen und reduzieren
die Investitionsnachfrage.«
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, wie der Rat der Wirtschaftsweisen
vollständig heißt, berät die Bundesregierung seit den Sechzigerjahren in
Finanz- und Wirtschaftsfragen. Das Gremium besteht aus fünf Personen, die für
jeweils fünf Jahre berufen werden. Aktuelle Vorsitzende des Rats ist die
Ökonomin Monika Schnitzer.
Dieser Artikel wird weiter aktualisiert.
