Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat die umstrittenen Wirtschaftsreformen der argentinischen Regierung gelobt. Seit dem Amtsantritt von
Präsident Javier Milei sei die Lage in dem Land »nach allen Kennzahlen
deutlich solider«, sagte Kristalina Georgieva bei einem Besuch in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Die Entwicklung sei das Ergebnis der »harten
Arbeit der Regierung« und der »Opfer des argentinischen Volkes«.
Die IWF-Chefin verwies auf die gesunkene Inflation, den
Haushaltsüberschuss und eine bessere Kreditwürdigkeit des Landes. Davon
profitierten unter anderem die Öl- und Gasindustrie, der Bergbau und die
Landwirtschaft. Argentinien müsse jedoch mehr reguläre Arbeitsplätze schaffen
und den Konsum stärken, sagte Georgieva.
Milei hatte nach seinem Amtsantritt im Jahr 2023 hohe
Kürzungen bei den Staatsausgaben und Subventionen durchgesetzt. Sein Sparkurs
brachte Argentinien erstmals seit 14 Jahren einen Haushaltsüberschuss und ließ
die Inflation deutlich sinken, seine Reformen lösten aber auch wiederholt heftige Proteste aus und sind juristisch teils umstritten. Auch
beim Besuch der IWF-Chefin demonstrierten Menschen vor dem
Wirtschaftsministerium in Buenos Aires.
Mehr Menschen erhalten Kredite für Notleidende
Die wirtschaftliche Lage in Argentinien bleibt von
widersprüchlichen Entwicklungen geprägt. Die Inflation ging zuletzt zwar auf 33,5
Prozent im Jahresvergleich zurück. Die Wirtschaft wuchs zeitgleich jedoch nur
um 0,2 Prozent, während der IWF für dieses Jahr ein Plus von 3,5 Prozent
erwartet. Zudem ist der private Konsum schwach. Der Anteil privater Haushalte,
die Kredite für Notleidende erhalten, hat den höchsten Stand seit 20 Jahren
erreicht. Binnen eines Jahres verdreifachte sich ihr Anteil auf 12,8 Prozent.
Der Ökonom Patrick Kaczmarczyk bezeichnete die bisherige Bilanz der Reform als verheerend. Die Politik von Milei habe die industrielle Basis des Landes zerstört. Argentiniens Industrie schrumpfte zwischen 2023 und 2025 laut einer Auswertung von UN-Industriedaten um 7,9 Prozent.
Argentinien ist der größte Schuldner des IWF. Im vergangenen
Jahr hat das südamerikanische Land ein vierjähriges Kreditprogramm über 20
Milliarden Dollar mit dem Währungsfonds vereinbart.
