
Die Stadt muss dieses Konzept im nächsten Schritt — fristgerecht — bis 30. Juni beim Regierungspräsidium Darmstadt als zuständiger Stelle des Landes Hessen vorlegen. Die Wärmeplanung ist ein gemeinsames Projekt der Stadt und der ESWE Versorgung AG, bei dem man auch auf die Mithilfe externer Fachbüros zurückgegriffen hat, wie die Stadt weiter mitteilt. Den rechtlichen Rahmen hat der Bund mit dem Wärmeplanungsgesetz und das Land mit entsprechenden Regelungen bereits vorgegeben.
Im Moment noch 80 Prozent Gas und Öl
In der Praxis untersucht man für eine Wärmeplanung zunächst einmal die bestehende Wärmeversorgung. Im nächsten Schritt wird geprüft, wo erneuerbare Energien einzusetzen sind und wo für Fernwärme nutzbare Abwärme zur Verfügung steht, beispielsweise aus Rechenzentren und industriellen Anlagen. Flusswasserwärme, Thermalwasser, Geothermie gelten ebenso als nutzbar.
Ein Blick darauf, wie sich in Wiesbaden die Wärmegewinnung aktuell auf die verschiedenen Energieträger verteilt, zeigt allerdings deutlich, dass erheblicher Handlungsbedarf besteht. Denn derzeit werden nach Angaben der Stadt gut 80 Prozent der Wohngebäude in Wiesbaden mit Gas oder Öl beheizt. Um das gesteckte Ziel tatsächlich bis 2045 zu erreichen, müssen jährlich rund acht Prozent dieser Gebäude auf klimaneutrale Heizungssysteme wie Wärmepumpen umgestellt werden, heißt es seitens der Stadt. Als Basis für die eigentliche Wärmeplanung hat die Stadt erst einmal den aktuellen Energieverbrauch erfasst und dessen Verteilung auf die einzelnen Energieträger. So ist ein Wärmekataster entstanden.
In der allgemeinen Definition von Klimaneutralität ist es auch erlaubt, nicht vermeidbare Emissionen mithilfe von Investitionen in Klimaschutzprojekte zu kompensieren. Ungeachtet dessen setzt Wiesbaden in der nun vom Magistrat beschlossenen kommunalen Wärmeplanung auf einen Ausbau erneuerbarer Energien und der Fernwärmeversorgung. Letztere bietet sich vor allem für die zentralen Lagen als Lösung an, wie es in den Erläuterungen zur Wärmeplanung weiter heißt. Genauen Aufschluss darüber, welche Energieversorgung in welchen Gebieten der Stadt überhaupt möglich ist, wird in einer sogenannten Eignungsprüfung ermittelt.
Wärmepumpe ein zentrales Instrument
In Stadtteilen, in denen eine wirtschaftlich vertretbare Versorgung mit Fernwärme nicht möglich ist, setzt die Stadt auf Wärmepumpen, die vor allem in Kombination mit Photovoltaikanlagen eine maximal klimagerechte Wärmeversorgung erlauben.
Das Konzept der kommunalen Wärmeplanung ist laut Stadt als strategisches Planungsinstrument zu verstehen, aus dem keine direkte rechtliche Wirkung auf einzelne Grundstücke oder Heizungsanlagen folgt. Es soll Bürgern genauso wie Unternehmen, Energieversorgern, der Politik und der Verwaltung vor allem als Orientierung dienen.
Sobald der Wärmeplan dem Land vorgelegt wurde, soll er veröffentlicht und regelmäßig aktualisiert werden, teilte der Magistrat mit.
