
Die Demokratischen Sozialisten Amerikas (DSA) erinnerten an Dolly Parton als Kämpferin für die Schwächsten, Präsident Donald Trump ließ nach dem Tod der Sängerin für eine Woche die Fahnen auf halbmast setzen. Auf den ersten Blick könnte man das für einen bemerkenswerten Moment der Einigkeit in einem Land halten, das gern als gespalten beschrieben wird.
Doch Trump und seine Anhänger versuchen vor allem, Parton für sich zu beanspruchen, indem sie verschweigen, was nicht in ihr Bild passt. „Sie mochte mich wirklich gern“, behauptete Trump gegenüber dem Moderator Glenn Beck. Er deutete an, die Sängerin habe ihre Sympathie für ihn nicht gezeigt, um keine Fans zu verlieren. Dolly Parton hatte sich häufig dagegen gewehrt, politisch vereinnahmt zu werden. Zweimal hatte Trump ihr die Presidential Medal of Freedom angeboten, aber sie nahm nicht an, aus persönlichen und pandemiebedingten Gründen. Später sagte Parton, dass sie den Orden aber auch von Joe Biden nicht akzeptieren werde, da das so aussehe, als mache sie Politik.
Gegen parteipolitische Grenzen
Unpolitisch war die tief gläubige Sängerin nur in dem Sinn, dass sie parteipolitische Vereinnahmungen ablehnte. Ihre Werte drückte sie deutlich aus. Sie unterstützte etwa die Rechte queerer Menschen, betonte, diese seien genauso richtig und so zu lieben, wie sie seien. Und 2020 sagte Parton auf eine Frage zur „Black Lives Matter“-Bewegung: „Natürlich zählen Schwarze Leben, glauben wir, dass nur unsere kleinen weißen Ärsche zählen?“
Sie stand oft an der Seite der Schwächsten, spielte 1980 mit Jane Fonda im Film „9 to 5“ über die Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz mit. Auf Partons gleichnamigem Album fand sich neben Songs über Kohlearbeiter und Tagelöhner auch eine Aufnahme von Woody Guthries „Deportee (Plane Wreck at Los Gatos)“. Das Lied handelt von abgeschobenen mexikanischen Arbeitern, die 1948 bei einem Flugzeugabsturz starben. „Manche von uns sind illegal und manche nicht gewollt“, hieß es darin, und: „Sie jagen uns wie Gesetzlose.“
Die MAGA-Bewegung hat „Massenabschiebungen“ wiederum zu ihrem politischen Markenkern gemacht. Auch deshalb lässt sich Parton von rechts nur mit Allgemeinplätzen vereinnahmen, die sie als christliche Südstaatlerin beschreiben, die Liebe für alle predigte – die praktischen Konsequenzen dieser Liebe muss man aus dem Bild schneiden.
Prompt versuchte auch Ivanka Trump, sich die moralische Autorität der Verstorbenen auszuleihen. Sie zitierte in einer Würdigung online, was Parton 2023 zur Zusammenarbeit mit dem MAGA-Favoriten Kid Rock gesagt hatte: „Ich kritisiere und verdamme nicht, ich liebe und akzeptiere.“ Dafür kassierte Trumps Tochter Spott und Kritik, denn für Liebe und Akzeptanz gegenüber Einwanderern, Transpersonen oder Armen ist MAGA schließlich nicht bekannt.
Vielleicht haben die Trumps Schwierigkeiten, Partons Worte einzuordnen. Akzeptanz und Liebe bedeuteten für die Sängerin nicht, Kid Rocks politische Ansichten zu übernehmen. Sie stand gegen den Reflex auf, Menschen wegen politischer Differenzen zu hassen.
