
Natürlich ist an der Behauptung nichts dran gewesen. Als Salamatu in Gushegu von dem Tag erzählt, an dem sich ihr Leben veränderte, wird die sanft wirkende Ghanaerin mit einem Mal laut. Sie spricht immer schneller und schneller auf Konkomba, der örtlichen Sprache. Ein Wachmann, der übersetzt, kommt kaum hinterher.
„Wenn ich in dem Dorf geblieben wäre, hätten sie mich getötet.“
SALAMANTU
Wie jeden Morgen war Salamatu an den Fluss gegangen, um Wasser zu holen. Als sie nach mehreren Stunden in ihr Dorf zurückkehrte, hatte sich die Nachricht schon verbreitet. Die erste Ehefrau ihres Manns hatte sie, die zweite Ehefrau in der in Ghana nicht unüblichen polygamen Beziehung, in ihrer Abwesenheit beschuldigt, sie umbringen zu wollen. Böse Mächte hätten von ihr Besitz ergriffen, behauptete die Rivalin. Es folgt ein Wortschwall, der auf weitere Ungeheuerlichkeiten und eine weit verzweigte Großfamilie mit vielen Intrigen schließen lässt. Der Übersetzer kapituliert. Bis er einen Satz kurz und knapp wiedergibt: „Wenn ich in dem Dorf geblieben wäre, hätten sie mich getötet.“
