
Lastwagen, Anhänger mit und ohne Werbeaufdruck, teilweise als Lagerraum genutzt, geschätzte 30 bis 40 Wohnwagen in unterschiedlichen Stadien des Verfalls: „Das Gewerbegebiet Münster ist zum Dauerparkplatz der Region geworden“, sagt Kelkheims Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW). Das Problem bestehe schon seit Jahren, und es ärgere vor allem die ansässigen Betriebe, die Lieferungen oder Kundenbesuch bekommen sowie eigene Fahrzeuge dort abstellen wollen. An Ort und Stelle befinden sich unter anderem ein großes Entsorgungsunternehmen, mittelständische Handwerker, diverse Dienstleistungen rund ums Auto und ein Baumarkt.
Eine Schwierigkeit ist, dass die Stadt keine Ausnahmen für Auswärtige machen darf. Wer ordentlich angemeldet ist, der darf im öffentlichen Raum parken, so will es die Straßenverkehrsordnung. Eine Beschränkung auf Pkw-Parkplätze träfe auch die Unternehmen. Nun entschied sich die Stadt, in dem Gebiet erstmals eine Parkraumbewirtschaftung einzuführen. Die Parkzeit wird werktags auf zehn Stunden begrenzt, eine Parkscheibe ist Pflicht. Die neue Regelung betrifft zunächst das Gebiet zwischen Siemensstraße und Margarete-von-Wrangell-Straße, entsprechende Schilder werden gerade aufgestellt.
Am Samstag soll das Viertel von sieben Uhr morgens an erst einmal grundgereinigt werden, weil sich um die abgestellten Fahrzeuge herum Müll und Schmutz angesammelt haben. „Lange stehende Halter wurden per Anschreiben informiert“, sagt Jeanette Alterino, neue Ordnungsamtsleiterin der Stadt. Daraufhin habe es schon einiges an Bewegung gegeben. Sie gehe aber dennoch davon aus, dass das ein oder andere Fahrzeug für die Säuberungsaktion versetzt werden müsse.
Künftig gelte, „ohne Parkscheibe parkt man falsch“, so Alterino. Wer einen Anhänger abstellen möchte, müsse das Zugfahrzeug dazustellen oder erfinderisch werden, wo er die Parkscheibe anbringe. Am Anfang werde verschärft kontrolliert. Das Bußgeld liege bei 20 bis 40 Euro, man könne es aber stundenweise erhöhen. Und natürlich beobachte die Stadt genau, ob sich die Fahrzeughalter dann womöglich woanders hinstellten, so Kündiger.
Der Bürgermeister hat durchaus Verständnis für die unterschiedlichen Anliegen. Etwa für Lastwagenfahrer, die hier übernachten. Er sei früher selbst Lkw gefahren, als er noch einen anständigen Beruf gehabt habe, so Kündiger, und wisse daher, wie anstrengend die Tätigkeit sei. Über Nacht und am Wochenende könne man ohne Weiteres dort stehen.
Schwieriger werde es für Unternehmen, die auf dem eigenen Grundstück nicht genug Stellfläche für ihre Autos haben. Auch Wohnmobilbesitzer hätten sich schon bei ihm gemeldet, die nicht mehr wissen, wo sie ihr Gefährt abstellen sollen. Er verstehe das, so der Bürgermeister, aber das zu lösen, könne nicht Aufgabe der Kommunen sein. Das Dauerparken habe ein Maß erreicht, das nicht mehr tolerabel sei. Das Gewerbegebiet solle wieder attraktiver werden, zumal im Flächennutzungsplan eine nötige Erweiterung vorgesehen sei.
