
Die Ebola-Epidemie weitet sich aus: Im Kongo und in Uganda gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fast 600 Verdachtsfälle und mehr als 130 vermutete Todesfälle, vor allem in der Demokratischen Republik Kongo. Einige Dutzend Fälle wurden bislang im Labor bestätigt. Die WHO geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegt, weil nicht alle Krankheitsfälle gemeldet werden.
Nachdem ein mit Ebola infizierter US-amerikanischer Arzt zur Behandlung in die Berliner Charité gebracht worden war, trafen in der vergangenen Nacht auch seine Ehefrau und vier Kinder dort ein. Sie wurden in der Sonderisolierstation des Universitätsklinikums aufgenommen, wie das Bundesgesundheitsministerium in der Nacht mitteilte. Hintergrund war ein entsprechendes Hilfeersuchen der US-Behörden.
Der Mann, ein Arzt, hatte sich im Osten der Demokratischen Republik Kongo mit dem Virus angesteckt. Auch seine Familienmitglieder hatten sich den Angaben zufolge dort aufgehalten. Sie gelten als Kontaktpersonen des Infizierten. Sie seien zuletzt symptomfrei gewesen und negativ getestet worden, hieß es seitens des Ministeriums.
Arzt aus den USA in „stabilem Zustand“
Der Mann war bereits am frühen Mittwochmorgen in der geschützten Isolierstation der Charité aufgenommen worden. Dort ist seine Versorgung mittlerweile angelaufen. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC befindet er sich in einem „stabilen Zustand“.
Das Weiße Haus dementierte einen Medienbericht, wonach die USA die Aufnahme des Mannes abgelehnt haben sollen. Die „Washington Post“ hatte zuvor berichtet, dem Infizierten sei der Rückflug in die USA nicht erlaubt worden, weshalb er schließlich nach Deutschland ausgeflogen worden sei. Seine Behandlung habe sich dadurch verzögert, schreibt das Blatt weiter.
Dieser Bericht sei „absolut falsch“, zitiert die „Washington Post“ nun einen Sprecher des Weißen Hauses. „Das oberste und einzige Anliegen der Trump-Regierung ist es, die Gesundheit und Sicherheit der amerikanischen Bürger zu gewährleisten“, sagte Sprecher Kush Desai demnach weiter. Die „Washington Post“ beruft sich bei ihren Recherchen auf fünf mit der Angelegenheit vertraute Personen, die nicht namentlich genannt werden.
Getrennt vom regulären Klinikbetrieb
Wie zuvor bereits der Vater erreichten die Mutter und die Kinder Berlin mit einem Spezialflugzeug. Zur Charité erfolgte der Transport mit einem speziell ausgestatteten Fahrzeug. Eskortiert wurde es von zahlreichen Motorrädern und Autos der Polizei sowie Feuerwehrfahrzeugen und Krankenwagen. Kurz vor 1.00 Uhr erreichte der Konvoi das Krankenhaus. Das Bundesgesundheitsministerium machte auf Anfrage vorerst keine Angaben zu dem Patienten und seiner Familie.
Die Sonderisolierstation der Charité auf dem Campus Virchow-Klinikum ist eine geschlossene und geschützte Einheit, die getrennt vom regulären Klinikbetrieb ist, so dass kein Kontakt zu anderen Patientinnen und Patienten entstehen kann. Weder für die Bevölkerung noch für Patientinnen und Patienten der Charité bestehe daher Gefahr, betonte das Bundesgesundheitsministerium.
In Prag traf in der Nacht ebenfalls ein US-Amerikaner ein, der in Uganda mit einem Ebola-Patienten in Kontakt gekommen war. Wie das Universitätsklinikum Bulovka weiter mitteilte, wurde der Patient in der Nacht zu Donnerstag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen vom internationalen Flughafen auf eine Sonderisolierstation der Klinik gebracht. Dort werde er für die gesamte Inkubationszeit von üblicherweise bis zu drei Wochen beobachtet. Er zeige keine Symptome, hieß es. Für die Öffentlichkeit und den normalen Betrieb des Krankenhauses bestehe kein Risiko.
Flugzeug muss in Montréal zwischenlanden
Wegen des Ebola-Ausbruchs hatte die US-Regierung die Einreisebedingungen verschärft. Die neuen Regeln zwangen ein Flugzeug der Fluglinie Air France auf dem Weg nach Detroit zu einer Zwischenlandung in Kanada. Ein kongolesischer Passagier musste in Montréal aussteigen, wie die Fluggesellschaft am Donnerstag mitteilte. Der Flieger war am Mittwochnachmittag in Paris gestartet und konnte nach der Zwischenlandung in Montréal weiter in die USA fliegen.
Es habe „keinen medizinischen Notfall an Bord“ gegeben, hob Air France hervor. Der Passagier aus der Demokratischen Republik Kongo sei ohne Krankheitssymptome wegen einer Einreiseverweigerung der USA in Montréal ausgestiegen. Die USA erlauben die Einreise von Staatsangehörigen der Demokratischen Republik Kongo derzeit nur über einen einzigen Flughafen im Land, den Flughafen Washington-Dulles.
Der Ebola-Ausbruch begann laut der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC im Kongo in der nordöstlichen Provinz Ituri, die an Uganda und den Südsudan grenzt. Es handelt sich um den insgesamt 17. registrierten Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976. Der Ausbruch des seltenen Bundibugyo-Typs des Ebolavirus, für die es weder einen Impfstoff noch eine Therapie gibt, macht die Lage besonders schwer einzudämmen.
Ebolafieber ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einer Ebola-Epidemie in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben.
